Zu wem man jetzt halten muss

Das bessere England: Warum Wales-Watching plötzlich verdammt viel Spaß macht

Fussball-EM | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Wie wird man eigentlich Nationalteamspieler von Wales, einem Land, das kein wirkliches ist und deshalb auch keine eigenen Staatszugehörigkeiten und Reisepässe vergibt? Die Antwort ist nach dieser EM recht einfach: Man muss ausschauen wie ein Engländer, reden wie ein Engländer, aber besser spielen als ein Engländer.

Die Waliser haben das geschafft, was wir uns von einem anderen Team erhofft hätten. Sie kamen zu ihrer ersten erarbeiteten EM als Geheimfavorit, dem man eh viel, aber auch nicht so viel zugetraut hat, und stehen nun tatsächlich als eines der letzten vier Teams im Turnierbaum. Was dem größten Moment in der Geschichte walisischen Fußballs seit der Geburt von Ryan Giggs gleichkommt.

Wirklich ins Wanken kamen sie nur einmal, gegen den großen Bruder: Das Spiel in der Gruppenphase gegen England blieb aber bisher das einzige, das sie bei diesem Turnier nicht gewannen. Zuletzt ließen sie gegen die hochbegabten, aber letztlich ungesteuerten Raketen aus Belgien den Ball schon wirklich schön laufen, und drehten das Spiel von 0:1 auf 3:1. They showed character, wie der Engländer zu sagen und der Waliser zu tun pflegt. Ihr Glaube an den Traum war größer als das Talent der Belgier.

Im Halbfinale laufen sie gegen Portugal, und wer das als Duell Ronaldo gegen Bale bezeichnet, hat keines der beiden Teams verstanden. Man muss Gareth Bale nicht mögen, sollte man wahrscheinlich gar nicht, aber das Vertrauen, das er den Walisern in ihren Fußball gegeben hat, ist stark, und hat ein Team geschaffen, das zusammensteht. Den Rest macht der Trainer mit dem Kaugummikiefer, bei dem Fußball mit einer starken, aber nicht feigen Dreierrespektive Fünferkette beginnt.

Bei der kommenden WM-Qualifikation, die im Herbst beginnt, spielt Wales übrigens gegen Österreich. Oh oh.


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