Selbstversuch

Wie alt warst du eigentlich, als?

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 27/16 vom 06.07.2016

Eine der Schulabschlusspartys wurde dann von den Teenagern selbst veranstaltet; in der mütterlichen Schreibwerkstatt. Es gab Pizza und Cola, sehr viel Kuchen und Eis und es wurde zu scheppernder Musik aus winzigen Lautsprechern getanzt. Das nehme ich jedenfalls an, ich war ja nicht eingeladen.

Vor der Party sagte ich: Teenager, eure Freundinnen müssen sich selbst darum kümmern, wie sie heimkommen, um halb zehn ist Schluss, damit alle wie vom Gesetz verlangt um zehn zuhause sind. Die Teenager sagten: Hahaha, Mutter, träum weiter, wir sind vierzehn, wir dürfen bis ein Uhr früh unterwegs sein. Ich sagte: Spinnt ihr? Nie im Leben, ihr seid Kinder, ihr dürft doch nicht so lange in der dunklen, gefährlichen Stadt unterwegs sein, das kann der Gesetzgeber nicht wollen.

Die Teenager: JFGI.

Die Mutter: Wassss?

Die Teenager: Just fucking google it.

Ich habe es gegoogelt. Wir ziehen in die Steiermark. Dort müssen 14-Jährige nämlich um 23 Uhr zuhause sein, während sie in Wien, Niederösterreich, Burgenland und Tirol tatsächlich bis ein Uhr früh auf der Straße und in Lokalen herumgurken dürfen, in drogenverseuchten Diskotheken und im Flex.

In zwei Jahren ziehen wir heim nach Vorarlberg, wo 16-Jährige um zwei Uhr früh daheim sein müssen; in allen anderen Bundesländern dagegen: nie. Ich finde das völlig unverständlich und irrsinnig kindswohlgefährdend.

Sehr unerwünscht in diesem Zusammenhang: Wie-alt-warst-du-eigentlich-als-Fragen. Antworten wie "Sag ich nicht", "Geht euch überhaupt nichts an" oder "Bist du verrückt, so was habe ich natürlich niiiie gemacht!", werden seit einiger Zeit nur noch mit müdem Abwinken quittiert. Also, wie alt warst du? Wie alt warst du, als du zu rauchen angefangen hast?

Hab ich denn je geraucht?

Ja, hast du, also?

Siebzehn. Sechzehn. Okay, fünfzehn, aber ich habe nicht inhaliert. Und überhaupt ist das was ganz anderes! Und das war eine ganz andere Zeit!

Denn damals, als man selber vierzehn oder fünfzehn war, war man irgendwie viel älter und reifer als die eigenen Teenager-Babys, jedenfalls hat man das so in Erinnerung.

Und man kann im Nachhinein auch schwer verstehen, warum die eigenen Eltern damals nicht wesentlich besser auf einen aufgepasst haben. Na gut, okay, sie haben's ja versucht, waren sogar ziemlich ambitioniert, haben aber bei der 24-Stunden-Überwachung letztlich kläglich versagt und den Fluchtweg übers Dach nie so richtig im Auge gehabt.

Aber ich durfte zum Beispiel, als ich vierzehn war, nicht mit meinen acht engsten Haberern campen gehen, das war sehr bitter.

Dürfen denn wir das?

Ja, spinnt ihr!? Sicher nicht. Ihr seids noch Kinder!! Und gehts dann bitte endlich mal schlafen, es ist schon halb elf.


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