Licht ins Dunkel

Ein Prozess beleuchtet, auf welch sonderbare Weise der ORF seine Mitarbeiter beschäftigt. Manche Frage bleibt unbeantwortet

Medien | BERICHT: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016


Foto: Georg Hochmuth/APA

Foto: Georg Hochmuth/APA

Saal P, Arbeitsgericht Wien. Drei Männer nehmen auf der linken Seite Platz. Jahrelang saßen sie auf den Drehstühlen im Schneideraum am ORF-Küniglberg, vor ihnen ein Bildschirm, unter ihren Fingern eine spezielle Tastatur. Sie schnitten für den ORF Beiträge, Beruf: Cutter. Der ORF war ihr Arbeitsplatz. Sie tranken Kaffee in der ORF-Kantine, liefen mit einem ORF-Dienstausweis durch die Irrwege des Küniglbergs, hatten eine E-Mail-Adresse, die auf @orf.at endete. Doch etwas unterschied sie von ihren Kollegen: Sie waren nicht beim ORF angestellt, sondern über eine ORF-Partnerfirma beschäftigt, die sie noch nie in ihrem Leben besucht hatten. Nun sitzen sie hier, auf den Sesseln im Gerichtssaal P. Sie wollen Gerechtigkeit. Sie wollen Geld.

Gerade rief der Richter den Zeugen Andreas Nadler herein. Er leitet die ORF-Finanzen. Er ist dem kaufmännischen Direktor Richard Grasl untergeben, dem ÖVP-Kandidaten für die bevorstehende ORF-Wahl. Ein Kollege eines Mitbewerbers habe den ORF kurz vor Weihnachten gewarnt, dass die Krankenkassen alle Arbeitskräfteüberlasser des ORF prüfen würden, erzählt Nadler. Arbeitskräfteüberlasser sind Firmen, die Arbeitskräfte anstellen und sie an andere Firmen verleihen. Der Vorteil für die Firmen, die sich die Arbeiter leihen: Sie können Spitzen abdecken, wenn sie kurzfristig zusätzliches Personal brauchen. Der Vorteil für die Arbeiter: Sie haben einen Job, bei dem sie sozialversichert sind.


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