Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Sommermusik der Welt der Woche

Feuilleton | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

The Avalanches sind ein paar nicht mehr wirklich junge Jungs aus Australien. Auf den wenigen Fotos, die von ihnen existieren, wirken sie wie übergebliebene 1990er-Hipster, die aus alter Liebe ab und zu noch aufs Skateboard steigen und selbstverständlich gigantische Plattensammlungen haben. Popstars sehen anders aus, und doch wurde das neue Avalanches-Album "Wildflower" mit so großer Spannung erwartet wie kaum eine andere Platte der letzten Jahre.

Das hat zwei Gründe: "Since I Left You", das so fantastische wie einzigartige erste Werk des Produzenten-und DJ-Kollektivs, auf dem es aus rund 3500 Samples eine euphorisierende Sound-Achterbahn zimmerte; und die Tatsache, dass seither 16 Jahre ohne neue Musik von den Avalanches vergangen sind. Lange Funkstille führt zu überhöhten Erwartungen der Fans, die die Musik niemals einlösen kann. Tatsächlich ist es unmöglich, nach einem Wurf wie "Since I Left You" noch einmal genauso neu und aufregend zu klingen.

Das wissen The Avalanches als gestandene Poparchäologen und haben das einzig Richtige aus der schwierigen Ausgangssituation gemacht -einfach eine wunderschöne Stunde Sommermusik, die genau die Mitte zwischen Leichtigkeit und Melancholie findet. "Wildflower" hört sich an, als würde man bei einer Autofahrt unablässig am Radioknopf drehen.

Kindergesang aus R-'n'-B-Songs trifft auf Rap und alte Calypsos, Disco-Grooves auf psychedelische Stimmungen und dieses gewisse "California Dreaming"-Gefühl; manchmal wird der Empfang schlechter oder die Musik etwas leiser, bis der Beat schließlich wieder einsetzt. Man lässt das Fenster runter und fühlt die Brise. "Wildflower" ist ein herrliches Gegengift zum grassierenden Hass: Musik wie eine rosarote Brille.


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