"Peter Stöger? Wir sind große Fans!"

Die Kölner Band AnnenMayKantereit spielt beim neuen Festival Out Of The Woods in Wiesen

Lexikon | INTERVIEW: GERHARD STÖGER | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016


Foto: Fabien J. Raclet

Foto: Fabien J. Raclet

Eingängiger Rock und Texte mit hohem Identifikationspotenzial machten AnnenMayKantereit zu den neuen Stars der deutschsprachigen Gitarrenmusik. Nach unzähligen Konzerten veröffentlichte das Kölner Quartett mit der Straßenmusik-Vergangenheit und dem spröden Namen heuer sein erstes reguläres Album „Alles nix Konkretes“. Die Kritik reagierte ablehnend („zu bieder und brav“), die Fans hingegen begeistert. Am Samstag spielen AnnenMayKantereit als einer der Headliner beim Festival Out Of The Woods in Wiesen.

Falter: Sie hatten sich als Liveband bereits eine große Fangemeinde erspielt. Wie stark war dann der Druck, den Erwartungen mit einem Album gerecht zu werden?

Christopher Annen: Wir hatten natürlich mitbekommen, dass da gerade super viele Leute darauf warten und dass das bei einem Debüt auch etwas ganz Besonderes ist. Nur haben wir uns das nicht auch noch selbst die ganze Zeit gegenseitig erzählt, sondern es einfach glücklich angenommen.

Als das Album im Frühjahr erschienen ist, glich das einem Elfmeter in einem wichtigen Spiel, bei dem kein Zweifel besteht, dass er reingehen wird. Es war ein programmierter Erfolg.

Henning May: Ich finde Fußballvergleiche immer toll, aber ich würde es eher so ausdrücken: Durch die vielen Konzerte hatten wir eine sehr lange, anstrengende Saison und wurden dann mit einem Pokalfinale belohnt. Hätten wir es zwei zu eins verloren, wären wir immer noch glücklich und zufrieden gewesen.

Annen: Man könnte auch sagen, dass wir gerade in die erste Liga aufgestiegen sind und uns da jetzt erst mal halten müssen.

Was bringt einen jungen Menschen Anfang der 2010er-Jahre dazu, konventionellen Rock zu machen?

Severin Kantereit: Das war einfach die Musik, die wir viel gehört haben, vor allem Sachen aus den 60ern. Es gab gar nicht den Plan, eine Rockband zu werden. Bis auf Christopher, der schon ganz gut Gitarre spielen konnte, haben wir unsere Instrumente eigentlich gemeinsam gelernt, und daraus entwickelt sich dann etwas.

May: Spaß an der Freude ist ein wichtiger Punkt. Hip-Hop ist eine Sache für den Computer und einen Menschen, der rappt. Bei uns war es eben anders. Wobei ich gar nicht von Rock ’n’ Roll sprechen würde. Ich glaube, wir bewegen uns irgendwo zwischen Folk, Blues, Rock ’n’ Roll, Pop und Liedergut.

Es ist also durchaus Absicht, dass Ihre Musik nicht hip und modern klingt?

May: Wir lieben es einfach, wenn Musik noch nachvollziehbar ist und beim Blick auf die Bühne klar ist: Der Gitarrist spielt gerade die Gitarre und man erkennt auch genau, was er tut. Kommt ein Laptop zum Einsatz, ist das gleich ganz anders. Dass jeder von uns Sachen aus den 60ern und 70ern wertschätzt, schlägt sich in unserer Musik natürlich auch nieder.

Woher kommt diese Wertschätzung?

Annen: Teils durch die Eltern, teils aber auch selbst entdeckt.

Kantereit: Wir haben uns nicht auf alte Sachen eingeschossen, es gibt auch Phasen, wo man viel Neues hört. Vor unseren Konzerten läuft hinter der Bühne aber schon oft Ray Charles, weil man dazu tanzen und sich ein bisschen warm machen kann.

Malte Huck: Mich hat tatsächlich die Plattensammlung meiner Eltern zum Musikhören gebracht. Das ging ganz klassisch mit den Beatles, den Stones und Bob Dylan los. Aber auch mit Blödsinn wie Otto Waalkes, wo man sich heute fragt: Warum habe ich das noch mal schnell gehört?

Ach, alte Platte von Otto kann man doch mal wiederhören!

May: Ich sag mal: In einem gewissen Zustand des Rausches …

Huck: … kann man sich daran erfreuen, dass man das mal lustig fand.

Ihr Album heißt „Alles nix Konkretes“. Warum denn so unverbindlich?

May: Weil wir nicht wissen, was auf uns zukommt. Wir haben das Album erst einmal für uns betitelt, und wir wollten dafür eine Songzeile nehmen. „Alles nix Konkretes“ benennt es für uns am besten.

Mit dem Indianermädchen Pocahontas haben sich schon Disney und Neil Young beschäftigt. Wie kam es zu Ihrem Lied „Pocahontas“?

May: Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, als man statt Netflix nur wenige VHS-Kassetten hatte. Eine davon war der Disneyfilm „Pocahontas“. Später habe ich einer Frau diesen Spitznamen gegeben, weil sie große Ähnlichkeit mit Pocahontas hatte. Auf Neil Youngs Lied „Pocahontas“ wurde ich erst hingewiesen, als wir unseres schon gespielt haben. Lustigerweise gibt es in seinem Lied die Zeile, dass er einen Topf voll Gold dafür geben würde, um mit Pocahontas zu schlafen.

Was halten Sie von Peter Stöger, dem Trainer des 1. FC Köln?

May: Ein toller Mann. Vor allem seine Brust-Sponsorings machen uns immer wieder Freude. Es ist einfach lustig, wenn ein Trainer eine Manner-Waffel-Werbung auf der Brust trägt.

Huck: Er hat ganz normale T-Shirts an, und da klebt er die Werbung vorm Spiel als Sticker drauf.

May: Aber er macht auch gute Arbeit und ist sehr fachkompetent. Wir sind große Fans!

Out Of The Woods:
15. und 16.7., Wiesen


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