Am Rand der Welt

Was haben Massengräber, Flüchtlingslager und der Genozid an den Jesiden mit Österreich zu tun? Eine Reise ins nordirakische Krisengebiet

Politik | REPORTAGE: STEFAN APFL | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

Das Foto auf seinem Handy zeigt einen Berg toter Menschen, aus dem eine Hand ragt.

"Sehen Sie diese Hand?", fragt Hazim Kali, 42, graues Hemd, hellbraune Schnürlsamthosen, von Beruf Soldat der kurdischen Peschmerga: "Es ist die Hand meiner Tochter." Es ist ein kräftiger Mann, der da in sich gesackt vor uns sitzt und sagt: "Ich kenne Elins Hand doch."

Seine Tochter Elin, 15, sein Sohn Alend, 16, und sein Bruder Herish, 21, waren unter jenen 71 Menschen, die am 27. August um 10.50 Uhr an der Ostautobahn bei Parndorf tot in einem Kühltransporter gefunden wurden.

Das Treffen mit Kali findet in der nordirakischen Stadt Dohuk statt, wo 300.000 Menschen leben, jeder zweite ein Flüchtling. Bald zwei Jahre ist es her, dass IS-Schergen am 3. August 2014 die angrenzende, mehrheitlich von Jesiden bevölkerte Sindschar-Region überrannten. Buben und junge Männer verschleppten sie, um sie zu Kämpfern umzuerziehen; Mädchen und junge Frauen, um sie als Sexsklavinnen zu verkaufen. Die Alten und die


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