Film Neu im Kino

"Independence Day": Sie versuchen es noch einmal!

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

London in Trümmern, ein Land ohne Führung, zugleich eine Häufung von Präsidentenfiguren - eine gewählte (nur für kurze Zeit), ein charismatischer Altpräsi, ein Vertretungsoberhaupt in Waffen -, während feindselige Mächte, deren Eroberungsversuch damals nur knapp abgewehrt wurde, ihre zweite Chance wittern. Das ist Katastrophen-Scifi mit Zeitbezug: "Independence Day: Wiederkehr".

Im US-Wahljahr legt Hollywood sich nicht fest, und Frauen sind hier Kriegerbraut, im Pflegedienst oder im baldigen Abgang: Letzteres widerfährt der farblosen (weißen) US-Präsidentin, also übernimmt ein General die Staatsführung im Abwehrkrieg; derweil treiben Pflichtgefühl und senile Bettflucht den Mann, der in Teil 1 Bill Clinton nachempfunden war, zurück in den Kampf. "Independence Day" beschwor 1996 ein globales Amerika im Zeichen poppiger Geschichtsverwurstung (Zweiter Weltkrieg, Alien-Mythen des Kalten Krieges, Aufbrüche der Sixties) und Multikultur, mit Akzent auf Kultur, das Multi sauber begrenzt. Roland Emmerichs Neuauflage ersetzt (wie schon "Jurassic World") die Gemeinschaftsparameter Kultur und Gedächtnis durch Geo-und Realpolitik: Meines Feindes Feind ist mein Freund, das gilt für Warlords, eine zweite Alienfraktion, gar für eine Französin (Charlotte Gainsbourg).

Anstelle von Black-Jewish Alliance trumpft nun die Welt-und Markt-Macht China auf und liefert halbe Hauptfiguren. Nach 9/11 und Tsunami wirft man nicht mit Autos, sondern es setzt Flutwellen und regnet Jumbojets. Rechenleistung hat sich erhöht, Luftkampf ist Routine, "Transformers" war doch auch öd. Jeff Goldblum meint es gut, Will Smith wusste es besser, und ein schwules Pärchen ist akzeptiert, wenn es die Oberdodln abgibt in diesem Postdemokratie-Panorama am Deppen-Dance-Day.

Ab Fr in den Kinos (OF-3D im Haydn)


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