Menschen

Alles Vorbands für die Harvey

Kolumnen/Zoo | LUKAS MATZINGER, KATHARINA SEIDLER | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

In der riesigen und nicht übermäßig oft bespielten ehemaligen Rinderversteigerungshalle St. Marx passierte am vergangenen Freitag erstmals das Harvest of Art Festival. Eigentlich gibt es das Festival, das sich im Großen und Ganzen dem entspannten, erwachsenen Singer-Songwritertum à la Glen Hansard verschrieben hat, ja schon seit 2012, seinen ehemaligen Standort in den burgenländischen Wiesen von Wiesen hat das Harvest of Art diesmal aber in Richtung Hauptstadt verlassen.

Unter der gigantomanischen Schmiedeeisenkonstruktion der Halle, die sich unter der Sommersonne ziemlich schnell ziemlich stark aufheizt, schwitzen dann neben genanntem Hansard etwa auch die Schweizer Sängerin Sophie Hunger oder der deutsche Autor und Musiker Sven Regener mit seinen Chanson-Schunkel-Nachdenklichkeits-Poppern Element of Crime. Diese beweisen noch einmal, dass Songs wie ihre Ode an die -auch nicht gerade alltäglich - Stadt Delmenhorst gut und gemütlich gealtert sind, hatten allerdings insbesondere in den Trompetenteilen mit einem halligen, schwammigen Sound zu kämpfen.

Doch dann wird das alles egal, denn dann erstand die Göttin PJ Harvey über dem Festival und setzte auch noch das letzte Zuseherherz in Flammen. In ihrer bisher fast 25 Jahre andauernden Karriere hat die britische Musikerin neun Alben inklusive ewiger Song-Meilensteine wie "Down by the Water" oder "This Is Love" veröffentlicht, und diesmal hat sie ihren jüngsten Streich, den gesellschaftskritischen Longplayer "The Hope Six Demolition Project" mitgebracht. In ihrem ersten Österreich-Konzert seit 15 Jahren und mit einer kompromisslos exakten Backing Band aus ganzen neun Musikern wie John Parrish oder dem Nick-Cave-Langzeit-Kollaborateur Mick Harvey lässt die andere Harvey sodann keinen Zweifel an der Unantastbarkeit ihrer Stellung als Königin des Rockbusiness, sowohl live als auch auf Platte.

Als die Hitze im Raum immer größer wird, streift sie ihr Federjackett ab und schwingt ihr Saxofon umso beweglicher im Ledermini. Sie ist politisch anklagend, prophetisch und ernst, gleichzeitig aber erhaben oder gar verschmitzt, und wem spätestens bei ihrer rabenschwarzen Erinnyen-Liebeshymne "To Bring You My Love" nicht der Schauer durch Mark und Bein fährt, der kann nicht dabei gewesen sein.

Die gesamte versammelte heimische (Kultur-)JournalistInnenriege erzitterte ebenso ehrfürchtig wie etwa Maschek-Hälfte Peter Hörmanseder oder Autor Thomas Glavinic, um nur zwei der zahlreichen Promisichtungen im Publikum zu nennen.

Am vergangenen Samstag war wieder einmal "Soso's Comedy Club". Im Kult-ur-Verein Tschocherl im 15. Bezirk lädt der aus Burundi stammende Comedian Simplice Mugiraneza, auch: Soso, alle paar Monate Kollegen zum großen Stand-up-Battle ein. Diesmal kamen Mario Lucic, Christoph Fritz und David Stockenreiter und witzten um die Wette. "Ungeschminkt! Goschert! Verwegen!" war angesagt, und so war's dann auch. Der Gastgeber selbst macht wirklich gute Schmähs über Cultural Clash und Rassismuserfahrungen. Schwarzer Humor quasi -in ziemlich feiner Ausführung.


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