Tiere

Kleinkariertes

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016


Morgen ist Saola-Tag!“ Der Titel dieser Presseaussendung ließ mich neugierig werden. Ist Saola vielleicht das bessere Zumba? Oder ein jetzt angesagter Fruchtdrink mit einem neuen, 14. Vitamin? Nein, das Saola wird auch Asiatisches Einhorn genannt, sieht aus wie eine Antilope, ist aber ein Waldrind, das nur noch in Vietnam und Laos vorkommt. Und – dieser Nebensatz ist bei den meisten Pressemeldungen zu Tieren obligatorisch – der Paarhufer ist „vom Aussterben bedroht“.

Da komme ich mir gleich ein bisschen dumm vor, denn nach Meinung meiner sozialen Umwelt sollten Biologen zumindest alle Tier- und Pflanzenarten mit Namen kennen und auch wichtige Eckdaten (Wie alt wird es, was macht es in der Nacht, beißt es etc.?) nennen können. Und dies, ohne herumzueiern (ist noch nicht erforscht) oder die Flucht in Fremdworte anzutreten (mit den Mandibeln kann nur die Epidermis, aber nicht die Subcutis durchgebissen werden). In der Urlaubszeit haben Kreuzworträtsel Hochsaison, und diese sind am schlimmsten für das fachliche Selbstverständnis. Offenbar gibt es besonders viele kurze und vokalreiche Bezeichnungen für Tiere, weswegen man diese bevorzugt in kleinen Kästchen gefangen hält: Aal, Ara, Beo, Emu, Boa, Gnu, Kea, Yak sind beliebte Lebewesen, von denen man auch außerhalb der Schwedenrätselwelt schon einmal gehört haben könnte. Aber der Bekanntheitsgrad der Begriffe steigt mit der Anzahl der Buchstaben logarithmisch an: südamerikanische Gattung der Hirsche mit vier Buchstaben – Anoa, Gaur, Gulo, Kudu, Lori, Mako, Mara, Pudu, Tatu oder Unau? Ein kurzer Blick in die Wikipedia qualifiziert mich dann zur naseweisen Anmerkung, dass man hier durchaus zwischen Nord- und Südpudu hätte unterscheiden sollen.

Nach völlig unrepräsentativer und subjektiver Erhebung sind Fische die beliebteste Tiergruppe in der Kreuzwortwelt. Hier leben vor allem Aitel, Hasel, Giebel, Güster, Laube, Rapfen, Zingel und Zope. Möglicherweise blicken Gastrokritiker wie Florian Holzer ob meiner Unkenntnis, eine Speisekarte richtig zu interpretieren, tadelnd auf mich herab. Aber an der Fragekombination „Speisefisch im Nebenfluss der Donau“ werden sicher auch seinesgleichen scheitern. Da aber solche Rätsel immer öfter mittels Software erstellt werden, habe ich die Hoffnung, dass dann bald auch eine App (Anwendungssoftware für Mobilgeräte, 3 Bst.) die Rätsel lösen wird.


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