Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Brexit-Referendum: Viel Interesse an österreichischem Pass


NINA BRNADA
Politik | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

Das Brexit-Referendum wirft nicht nur die großen Fragen zur Zukunft der Europäischen Union auf. Das Ergebnis der britischen Volksbefragung über den Verbleib des Landes in der EU bringt auch viele bisher Unbeteiligte in die Bredouille. Nicht-britische EU-Bürger, die sich auf der Insel niedergelassen hatten, fürchteten nach dem Referendum, dieses politische Ereignis könnte ihre privaten Lebensplanungen durcheinanderbringen.

Es herrschte Verunsicherung, ob der Brexit also auch den Verlust des eigenen Aufenthaltsrechts in Großbritannien bedeuten könnte. Ein Entscheid des britischen Parlaments beruhigte, es würde bereits in Großbritannien wohnhaften EU-Bürgern unbefristetes Aufenthaltsrecht zuerkennen.

Es gibt auch andere Ängste. Was tun, wenn man plötzlich nicht mehr EU-Bürger ist? Die Bediensteten der österreichischen Botschaft in London haben seit dem Referendum jedenfalls mehr Arbeit. Nach der Volksabstimmung über den Brexit wurden vermehrt Anfragen zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft an die Auslandsvertretung herangetragen - seit dem 23. Juni seien es rund 500 gewesen, heißt es dort.

Vor allem Nachfahren österreichischer Juden, die vertrieben worden waren und in Großbritannien landeten, würden sich für den österreichischen EU-Pass interessieren.

Die allermeisten davon werden allerdings wohl kaum Aussicht auf Erfolg haben. Das österreichische Staatsbürgerschaftsgesetz sieht zwar vor, dass Vertriebene, die vor dem 9. Mai 1945 durch die Verfolgung ihre Staatsbürgerschaft verloren haben, mit einer einfachen Anzeige bei der Staatsbürgerschaftsbehörde diese wiedererlangen können, erklärt Jurist Heinz Mayer. Und auch deren Kinder können diese beantragen, sofern die Eltern zum Zeitpunkt ihrer Geburt österreichische Staatsbürger waren. Nur aber weil etwa der Großvater ein Österreicher war, würde das nicht bedeuteten, dass man deshalb die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten könnte.

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FALTER 03/19

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