Team der Stunde

Referees Welcome: Die Mannschaft des Turniers hatte Pfeifen im Mund

Zu wem man jetzt halten muss

Fussball-EM | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

Ein paar Heldengeschichten hatte dieses Turnier ja auf Lager. Aber diese wird zu selten erzählt. Sie, die wie Schmetterlinge über dem Spiel schweben, und wenn's heikel wird, wie Bienen stechen sollen. Sie, für die es nichts Schöneres gibt, als sich jede Woche dem Druck von Zehntausenden auszusetzen, und von denen man, wenn man ehrlich ist, nie weiß, wo ihr Auto steht, weil die meisten gar nicht mit dem privaten Pkw anreisen: die Gilde der professionellen Spielverderber.

Die Schiedsrichter hatten bei dieser EM eine gemeinsame Linie gefunden. Sie ließen großzügig laufen, aber haben nie Akzeptanz verloren und kaum grobe Fehlentscheidungen zu verantworten. Laut letzten Daten wurden 94,2 Prozent der Abseitsstellungen korrekt erkannt. Sie waren gekommen, um zu pfeifen.

Ein Grund dafür war die neue "match preparation", die sich Schiedsrichterboss Pierluigi Collina einfallen ließ, der in seiner aktiven Zeit Bösewichte mit seinem bloßen Blick für zwei Spiele sperren konnte. Heuer bekamen die gelben Eminenzen vor jedem Einsatz Strategie und Auffälligkeiten der zu pfeifenden Teams beigebracht.

Nur warum es für diesen Sport Torrichter braucht, bleibt auch nach dieser EM schleierhaft. Bei Szenen wie dem für den weiteren Turnierverlauf vielleicht nicht unerheblichen verschossenen Elfmeter von Sergio Ramos im Viertelfinale gegen die Kroaten kommt man schon ins Staunen über deren Entscheidungsvermögen. Zum Zeitpunkt des Schusses war der Torwart gute zwei Meter vor der Linie und mindestens zwei weitere Kroaten im Strafraum, wovon einer David Silva eindeutig am Nachschuss hinderte. Der Torrichter wusste nichts zu beanstanden.

Das war auch schon das größte Versäumnis. Das allermeiste lief fair und glatt. Wir danken zum Schlusspfiff -den unbesungenen Helden dieses Sports.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige