Die gute Flade

Pizza ohne Gluten und Laktose - das ist genussvolles Verzichten all'italiana

LOKALKRITIK: NINA KALTENBRUNNER | Stadtleben | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Flexitarier, Vegetarier, Veganer: „Was darf es denn heute nicht sein?“ Verzicht scheint Teil unserer Genusskultur geworden zu sein. Sei es freiwillig auf Fleisch und/oder auf tierische Produkte oder aber auf Milch- beziehungsweise Getreideprodukte aufgrund von Unverträglichkeiten.

Dass dabei aber nicht zwingend der Genuss auf der Strecke bleiben muss, haben die Quereinsteiger Christina und Albert Schmidbauer schon mit ihrem ersten Lokal Zum Wohl bewiesen, wo völlig unverkrampft und in „Wirtshaus neu“-Ambiente gluten- und laktosefreie Beislkost aufgetischt wird.

Die beiden erheben dabei nicht den Zeigefinger, sondern einen hohen Qualitätsanspruch an die Zutaten und bieten ein ansprechendes Angebot für alle – Ausschluss aufgrund Unverträglichkeit ausgeschlossen. So weit, so gut. Etwas hat den Schmidbauers zum glutenfreien Glück aber noch gefehlt: genau, Pizza. Weshalb sie nun ein paar Häuser weiter die Pizzeria alla Salute eröffneten, zum Wohl auf Italienisch.

„Glutenfreie Pizza“ klingt für Menschen ohne Unverträglichkeiten zwar circa so verlockend wie vegane Bernerwürstel für Carnivoren, aber man ist dennoch neugierig und begibt sich in das kleine Industrial-Chic-designte Magazin in der Stumpergasse.

Mit riesigen Neonlettern an der Fassade blendet „Alla Salute“ dort die Gäste im Schanigarten. Die eigene biologische Produktlinie ist gut sichtbarer Teil des Designkonzepts. Sie umfasst Essig, die histaminarmen Alla-Salute-Weine vom Winzerhof Landauer-Gisperg, glutenfreies Bier der Salzburger Brauerei Gußhaus sowie hauseigene Bio-Limonaden. Der fair gehandelte Bio-Kaffee der Rösterei Alt Wien kommt aus einer Espressomaschine, die in eine Piaggio Ape 50 integriert ist, die mitten im Lokal steht.

Und die Pizzen? Die kommen aus dem Elektroofen, sind unterteilt in die Leistungsgruppen Vegan, Vegetarisch und Flexitarisch und haben lustige Namen wie „Flotter Käfer“ (Käferbohnen, Erdäpfel, veganer Käse, Tomatensauce, € 9,70), „Kühle Grüne“ (Erbsen, Erbsenpüree, Lauch, Cocktailtomaten, Minze, Pinienkerne, Rucola-Pesto, € 9,40), „Wilde Henne“ (Hendlstreifen, Mozzarella, Thymian, Cocktailtomaten, hausgemachte Barbecuesauce, € 13,90) oder „Schicker Salzburger“, die Lieblingspizza des Chefs mit geräuchertem Stör vom Salzburger Fischzüchter und -händler Walter Grüll mit Fenchel, Kresse, Sprossen und Rahmsauce (€ 15,90).

Der Belag überzeugt, ist nicht nur eine kreative Fusion alpiner Deftigkeit mit mediterraner Leichtigkeit, sondern auch noch wirklich gut – der Teig aber, aus Reis-, Mais- und Johanneskern, ist leider wirklich nicht auf der Höhe. Hart statt kross und pampig statt flaumig, mag er zwar keine Unverträglichkeiten, aber auch keine Begeisterung hervorrufen.

Resümee:

Glutenfreie Pizzen, die eher an harte Flammkuchen erinnern; wenn man aber den Teig etwas zarter hinbekommt, bingo! – der Belag macht auch ohne Zöliakie jetzt schon glücklich.

Pizzeria alla Salute
6., Stumperg. 51
Mo–So 11.30–14.30, 17.30–22.30 Uhr
Tel.: 01/595 23 04
www.allasalute.at

Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige