WIENS 24. BEZIRK

Fad, verschlafen, provinziell? Von wegen. Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten wird 30 und benimmt sich auch so. Porträt einer sich rasant verändernden Stadt

Landleben | CHRISTOPH CHORHERR | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es gibt keinen anderen Ort in Österreich, dessen Namen man nur fallenlassen muss, und alle wissen, was gemeint ist. Diese rhetorische Figur wird wieder und wieder benutzt. Wenn jemand sagt, egal was Thema ist, „das ist ja wie in St. Pölten …“, dann geht es meist um den Inbegriff von Provinzialität und Borniertheit. „Bei St. Pölten denk ich ja immer an Bonjour Tristesse“, twitterte der ATV-Journalist Martin Thür, der aus St. Pölten stammt. Von ihm wird noch zu sprechen sein. Ein anderer Tweet von ihm lautet: „Ich würde auch weinen, wenn ich wieder nach St. Pölten müsste.“

St. Pölten kennen wir Wiener lediglich als Durchfahrtsbahnhof Richtung Westen, als potthässliche Industriezone entlang der Westautobahn oder – wir älteren Semester – noch vom bestialischen Gestank, der vom Chemiebetrieb Glanzstoff ausging, der 2008 geschlossen wurde. Der Gestank in St. Pölten verzog sich, die Erinnerung daran und das Image bleiben. Familienbedingt habe ich seit einigen Jahren mehr mit St. Pölten zu tun. Dabei habe ich eine vielgesichtige, lebendige Stadt kennengelernt, die ihrem verheerenden Image ganz und gar nicht gerecht wird.


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