BUNDESLÄNDER

Von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang

Spannendes Mash up: Das Festival Theaterzeit Freistadt mixt William Shakespeare und Gerhart Hauptmann

Lexikon | MARIA MOTTER | aus FALTER 28/16 vom 13.07.2016

Menschliche Gefühle ändern sich über tausende Jahre kaum, behaupten Wissenschaftler. Das mag ein Grund sein, warum die Klassiker der Literatur nach wie vor begeistern. Großes Drama und zudem mit gesellschaftspolitisch aktuellen Motiven findet sich jetzt auf den Bühnen der Sommertheater. Speziell das Festival Theaterzeit Freistadt trumpft auf. Denn mit Neufassungen berühmter Stoffe der Literatur-und Theatergeschichte hat sich das Festival Theaterzeit Freistadt bereits einen Namen gemacht. Diesen Juli zeigt der Autor und Regisseur Ulf Dückelmann "Sonnenaufgang. Eine Hamlet Saga", für das er eine bemerkenswerte Kombination wagt: Gerhart Hauptmanns Drama "Vor Sonnenaufgang" und Motive aus Shakespeares "Hamlet" begegnen dem Publikum in diesem Sommertheater. Der gebürtige Düsseldorfer Till Bauer gibt den Hamlet. Profis und regionale Laienschauspieler wirken mit.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine Großindustrielle, die den Bruder ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes heiraten will. Das wird klarerweise nicht von allen goutiert, der Clan ist ein Patchwork, und beim Zusammentreffen kommt vieles ans Tageslicht. Affären, Geldsorgen, Versagensängste und nicht zuletzt der Verdacht, dass der Tod des Mannes alles andere als natürlich gewesen sein könnte. Dückelmanns "Sonnenaufgang" orientiert sich somit an Shakespeares Anfang des 17. Jahrhunderts in Druck gegangene Tragödie, während Motive aus dem 1889 geschriebenen Sozialdrama Hauptmanns eher zu suchen sind. Soziale Auseinandersetzungen und nicht mehr Verstöße gegen das Sittengesetz prägten die Stücke der Naturalisten, ihre Figuren statteten sich nur mit geringem Handlungsspielraum aus. "Quo vadis?", fragen der Regisseur Ulf Dückelmann und sein Team, und sie schätzen sozialkritische, anspruchsvolle Stoffe.

Für das Festival wird die kahle Messehalle umgebaut. "Das Besondere ist, dass wir einen riesigen Bühnenraum von 3000 Quadratmetern bespielen, der jedes Jahr neu konzipiert wird", freut sich die Regie-und Produktionsassistentin Alina Heitzmann. "Die Schauspielerinnen und Schauspieler spielen ebenerdig, während das Publikum auf einer Tribüne Platz findet." Die Handlung spielt teilweise auch in den Videoprojektionen, die mehr als Blicke nach außen darstellen und mit dem Bühnengeschehen verwoben sind.

Dialoge zum Lachen sind für den Schluss geplant, wenn der Kabarettist Gerhard Polt mit den Wellbrüder aus dem Biermoos hier auftreten wird (28. Juli, 19.30).

Messehalle Freistadt, Fr, Sa, jeweils 20.00, bis 28.7., theaterzeit.at


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