Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche:

Campari verkauft einen alkoholfreien Aperitif. Warum eigentlich?

Stadtleben | LM | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Es gibt Produkte, wo man sich denkt, na schau, die Idee wär eigentlich nett gewesen, aber in dieser Ausführung kann ich halt nicht mit. Beim "Crodino Spritz" des Campari-Konzerns ist das definitiv anders.

Seit einem Monat verkauft der italienische Sprudel-Riese seinen alkoholfreien Aperitif auch in Österreich.Zur Markteinführung wird der 200-ml-Spritz über eine ziemlich breite Werbeschiene geführt. Crodino kommt vom piemontesischen Dorf Crodo, wo der Saft gemischt wird. Da soll es ganz schön sein.

Wer genau nun außer trockenen Hofratswitwen beim Golf-Club-Sommerfest, die gerade vom Campari-Orange runter sind, die Zielgruppe sein soll, bleibt trotzdem schleierhaft. Crodino Spritz schmeckt bitter und süß in gleichem Ausmaß. Das verstört, vom ersten bis zum letzten Schluck. Erst tut's wie ein nettes Limonädchen, hinten raus brennt's runter wie ein arger Hustensaft.

Man zuckt zusammen und schaut ungläubig auf die Flasche - vielleicht hat man was falsch gemacht. Aber nein, "Fertig Gemischt" sagt sie, es gehört tatsächlich genau so.

Und die E-Nummern, die sind für die Farbe. Der Slogan der Flasche lautet "Nur zum Spaß", und auf der Firmenwebsite wird das Ganze als Hochzeitsgetränk beworben.

Also eines muss klar sein: Wenn mir das jemand bei seiner Hochzeit hinstellt, der kann sich auf mehr als sieben Jahre Unglück gefasst machen.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise umsonst zur Verfügung gestellt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige