Fragen Sie Frau Andrea

Was macht die Hütte zur Kabane?

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Kolumnen | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Liebe Frau Andrea, liebes "Bureau für Information-Wiederbeschaffung"(ich folge hier der Bezeichnung auf Ihrer Website), Sie haben es womöglich schon einmal erklärt, aber die Frage brennt mir seit Tagen die Stirnlappen durch: Was genau ist eine "Kabane"? Das Umkleideräumchen zu Badezwecken ist doch eine "Kabine"! Bitte um Auskunft!

Vielen Dank,

Tano Hubalek, Margareten, per E-Mail

Lieber Tano,

tatsächlich hat uns eine ähnliche Frage schon beschäftigt. Kabanen in der von Ihnen reportierten Nämlichkeit verbinden die Wiener mit spezifischen Umkleide- und Aufbewahrungsmöglichkeiten in den Wiener Strandbädern Gänsehäufel und Alte Donau. Auch das Strombad Kritzendorf der Stadt Klosterneuburg und das Thermalbad in Bad Vöslau kennt den Begriff der Kabane und bezeichnet damit eine geräumige Kabine. Im Verständnis seiner Benutzer ist mit Kabane eine Dauerkabine gemeint. Das Mietrecht in den spartanischen Räumchen mit Vordach und Miniterrasse wird in manche Familien schon seit Generationen weitergegeben. Novizen müssen viele Jahre lang angemeldet sein, um mit viel Glück eine der begehrten Hütten zu bekommen. Der Verdacht liegt nahe, Kabanen wären Kabinen, in die sich das "a" des Kabäuschens eingeschlichen hat. Tatsächlich sind Kabinen Kabanen, in die sich ein "i" verirrt hat, kommt doch das Wort Kabine vom altfranzösisch-provençalischen "cabane" und dieses vom spätlateinischen "capanna", Hütte (des Weinbergaufsehers). Cabane bezeichnete die saisonal genutzte Einraum-Hütte (südfranzösischer Bauern, Hirten, Holzfäller, Jäger, Köhler und Kalkbrenner. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Etablierung öffentlichen Badens, bezeichnete Kabane neben der Kajüte auf kleinen Schiffen insbesondere die Badekarre. Diese fahrenden Badehäuschen, um das Jahr 1735 in Nordengland erfunden, waren großrädrige Wagen, die von Pferden ins badetiefe Wasser gezogen wurden. Im Inneren der fensterlosen Karre zogen sich die Badegäste um. Sobald die mobile Mitkabane ins Wasser gezogen war, stiegen die Badegäste, in hochgeschlossene Ballonkleider gewandet, auf einer kleinen Holztreppe ins Meer. Ihrer Räder beraubt, wurden die Aufbauten der Badekarren zu den bunten Strandhüttchen heutiger Strände.

www.comandantina.com; dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige