Film Neu im Kino

Außen wow, innen lau: "BFG - Big Friendly Giant"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

In Roald Dahls Kinderbüchern lauern die wunderlichsten Gefahren: Schuldirektorinnen schleudern Mädchen an ihren Zöpfen herum ("Matilda"), verzogene Kinder werden geschrumpft oder in Blaubeeren verwandelt ("Charlie und die Schokoladenfabrik"). In "The BFG"(1982) wird die Waise Sophie von einem Riesen entführt. Zum Glück ist der Big Friendly Giant sanftmütig: Er ernährt sich von Gurken, verdreht die Wörter beim Sprechen und ist noch einsamer als Sophie. Seine brutalen Riesenkollegen aber sind Kinderkauer aus Leidenschaft - und haben es auf Sophie und viele andere abgesehen.

Steven Spielbergs Kinomärchen "BFG - Big Friendly Giant" (Drehbuchautorin Melissa Mathison wandelte die Originalhandlung nur wenig ab) lebt von der Leistung der Hauptdarsteller (per Tricktechnik namens Performance Capture zusammengeführt: Mark Rylance und Ruby Barnhill) und seiner Detailverliebtheit. Ein Höhepunkt ist das Traumland, in dem BFG Träume einfängt, um sie zu Nachtfantasien für Menschenkinder zusammenzumixen.

Stark verharmlost wird das düstere Drama im Kern der Geschichte. Im Buch (und im Zeichentrickfilm aus 1989) sind die bösen Riesen, gegen die die befreundeten Außenseiter aufstehen, geifernde Monster, bei Spielberg hat der Oberriese namens Fleischfetzenfresser eher etwas von einem schottischen Hipster. Gut für die kleinsten Zuschauer, schlecht für den müden Showdown, dem es gleichzeitig an Leichtigkeit fehlt: Ist Dahls aberwitzig anmutende Idee, die Königin von England und ihre Streitkräfte ins Spiel zu bringen, durch den Sprachwitz des Buchs ein überraschend charmantes Unterfangen, hinterlässt es im Film -abgesehen von BFGs großartig in Szene gesetztem Frühstück im Buckingham Palace - einen fahlen Nachgeschmack.

Ab Fr in den Kinos (OF 3D im Artis)


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