Der heitere Melancholiker

Der Ungar Péter Esterházy war einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Postmoderne


Nachruf: Sebastian Fasthuber

Feuilleton, FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Er entstammte einem alten ungarischen Adelsgeschlecht, das in Gestalt eines Barockschlosses (sowie einer Crèmetorte) auch hierzulande seine Spuren hinterlassen hat. Sein Großvater war noch Großgrundbesitzer und für kurze Zeit sogar ungarischer Ministerpräsident. 1948 wurden die Esterházys enteignet und in ein abgelegenes Dorf deportiert. Hier verbrachte der 1950 geborene Péter Esterházy seine ersten Lebensjahre, erst 1957 durfte die Familie zurück nach Budapest.

Der Niedergang des Geschlechts begann bereits mit der Revolution 1919. "Eure Exzellenz, ich würde es so sagen, bitte schön, die Kommunisten sind hier", formuliert es der Diener in Esterházys über 900 Seiten starkem Familienroman "Harmonia Caelestis"(2000; dt. 2001), einem seiner Hauptwerke. Just als er die Arbeit an dem Buch abgeschlossen hatte, erfuhr der Autor, dass sein Vater von den Kommunisten nicht nur unterdrückt worden war, sondern ihnen jahrelang als Spion gedient hatte. Er verfasste umgehend die zwischen Wut

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