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Polens Regierung straft einen Wiener Kritiker

Medien | Marlene Liebhart | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Die autoritäre polnische Regierung unter Jarosław Kaczyński verträgt keine Kritik. Sie setzt polnische Journalisten unter Druck und lässt im Fernsehen sogar polenkritische Reden von Barack Obama zensieren.

Auch ein österreichischer Intellektueller bekommt den Wandel nun zu spüren. Der österreichische Journalist, Übersetzer und Publizist Martin Pollack ("Warum wurden die Stanislaws erschossen?") verfasste im Standard einen Kommentar, in dem er der Regierungspartei PiS autoritäre Tendenzen vorwarf. Wie zum Beweis für seine These kündigte daraufhin das polnische Kulturinstitut eine Kooperation mit Pollack, der dort eine Gesprächsreihe leitete. Ein Regierungsmitglied hatte interveniert.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht diese Kündigung als Bestrafung Pollacks für seine unbequeme Meinung.

Pollack hat Erfahrungen mit autoritären Entwicklungen Polens. In den 80er-Jahren wurde ihm von der ehemals kommunistischen Regierung die Einreise verwehrt. Danach wurde der ehemalige Spiegel-Journalist mit dem polnischen Kavalierskreuz ausgezeichnet. Pollack edierte bei Zsolnay übrigens vor einiger Zeit eine exzellente Sammlung polnischer Reportagen ("Von Minsk nach Manhattan").


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