Arrogante Einsamkeit

In ihrem neuen Film "Wild" lässt Regisseurin Nicolette Krebitz ihre junge Hauptdarstellerin auf einen Wolf los. Eine Geschichte über Emanzipation und Hingebung

Begegnung: Michael Omasta | Feuilleton | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Wie jeden Tag macht sich Ania auf den Weg zur Arbeit: raus aus dem Hochhausblock, an tristen Grünflächen vorbei, über Bahngeleise durch ein Stück gräulich anonymen Mischwald zur nächsten Busstation. Plötzlich fährt der Wind in die Blätter und die junge Frau wird seiner gewahr. Ganz ruhig steht er da, eine anmutige Erscheinung, die sie mit gelb funkelnden Augen mustert - Ania erwidert den Blick.

Mit diesem Bild, diesem Blickwechsel, sagt Nicolette Krebitz, habe alles angefangen. "Ich hab geträumt, dass ich von etwas verfolgt werde, hab mich umgedreht, und da stand ein Wolf. Ich wusste sofort, dass das mein nächster Film ist."

"Wild" heißt er und ist die bereits dritte Regiearbeit der aus Film und Fernsehen bekannten Schauspielerin. Zum frühen Interviewtermin in einem Wiener Café erscheint sie nicht traumhappert wie anfangs ihre Heldin, sondern hellwach und bester Laune und nutzt die Dreiviertelstunde nebenbei für ein Frühstück.

Krebitz, gebürtige

  889 Wörter       4 Minuten
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