Film Neu im Kino

Kino der Generationen: "Frühstück bei M. Henri"

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Nein, beim gemeinsamen Frühstück sieht man die zwei eigentlich nicht. Ohnehin löst der Film das Versprechen kulinarischer Freuden nicht ein, das sein hiesiger Verleihtitel gibt. Einmal wird ein misslungener Crumble serviert, aber Monsieur Henri legt eh nicht viel Wert auf gute Ernährung.

Ansonsten weist Ivan Calbéracs Verfilmung seines Bühnenstücks "Frühstück bei Monsieur Henri" jedoch all das auf, was im Kino seit langem als französische Folklore gilt: ein pittoreskes Paris, ein Flair von melancholischem Einverständnis mit dem Leben und zwei gegensätzliche Protagonisten, die sich zusammenraufen. Zunächst sieht es freilich gar nicht danach aus. Monsieur Henri zieht alle Register der Garstigkeit, um der verkrachten Studentin Constance das Zusammenleben zu vergällen. Aber das Drehbuch lässt nicht locker, bis aus dem Misanthropen ein liebevoller Mentor wird, der seiner verzagten Untermieterin hilft, ihren Lebenstraum, Pianistin zu werden, in Angriff zu nehmen. Das ist so herzig erzählt, wie zu erwarten war. Selbst der Streit um seine Pantoffeln wird gütlich beigelegt. Calbérac beweist immerhin so viel Anstand, die Annäherung als langen, mühevollen Prozess zu zeigen.

Generationsübergreifende Wohngemeinschaften haben Konjunktur im französischen Kino. Pierre Richard und Co probten in "Und wenn wir alle zusammenziehen?" die gedeihliche Kohabitation, gerade erst wurde André Dussollier als Witwer adoptiert und ist für den August ein "Willkommen im Hotel Mama" angedroht. Die Botschaft des Zusammenrückens in Krisenzeiten ist natürlich erfreulich. Hier überzeugt sie vor allem dank der Chemie zwischen der Debütantin Noémi Schmidt und dem Veteranen Claude Brasseur, der als cholerische, aber zuverlässige Säule des filmischen Generationenvertrages glänzt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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