Menschen

Auf Rasen und Parkett

Falters Zoo | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Das erste Spiel im neuen Stadion in Hütteldorf hat Rapid standesgemäß mit 3: 2 gegen den englischen Topclub Chelsea gewonnen. Da waren die Profis noch gar nicht auf dem Platz. Das erste Fußballspiel überhaupt bestritten nämlich die "Special Needs Teams" der beiden Vereine, in dem Spieler mit Behinderung trainieren.

Es war also nur recht und billig, dass die siegreichen "Special Need"- Rapidler das Eröffnungsspiel von den besten Plätzen im ganzen Stadion, der Loge des Namenssponsors Allianz, aus verfolgten. Den 2:0-Sieg der Rapid-Profis sahen 28.000 Zuschauer.

Die kann man natürlich nicht alle namentlich nennen. In den Business-Logen ging es jedenfalls ganz ordentlich zur Sache. Die schönste (Varta) hat Architekt Arkan Zeytinoglu gestaltet. In der Hausherrenloge bei Rapid-Präsident Michael Krammer tummelten sich sehr viele Politiker. Die halbe Wiener Stadtregierung zum Beispiel, aber auch ein paar Minister und Altbundespräsident Heinz Fischer. Einen Stock tiefer saß sein möglicher Nachfolger Alexander Van der Bellen. Weniger leutselig - aber auch irgendwo - war der Chelsea-Oligarch Roman Abramowitsch. Auch die Brauerei Ottakringer leistet sich eine Loge und hatte ein paar Wiener Originale zu Gast. Trzesniewski-Eigentümer Andrew Demmer zum Beispiel und Burgtheater-Schauspieler Nicholas Ofczarek, der dem Spiel mit allerhöchster Konzentration folgte.

Noch ein Ereignis erschütterte Österreichs Seitenblickegesellschaft. Julius Meinl VI. (30), Erbe der Kaffee-Dynastie, ehelichte Anfang Juli in Oslo die norwegische Reeder-Tochter Olivia Stolt-Nielsen (26). Österreich wusste es als Erstes und giftete alle anderen Blätter, die abschrieben, ohne zu zitieren, an.

Besonders geheim war das schöne Fest allerdings nicht. Das Paar hatte nämlich die direkt am Meer gelegene, spektakulär modern gebaute Osloer Oper für die rund 500 Hochzeitsgäste angemietet. Bei derart internationalen Jet-Set-Feierlichkeiten macht es dann auch etwas her, wenn der Bräutigam nicht nur auf einen wohlhabenden Vater (Julius Meinl V.) sondern auch auf fürstliche Abstammung verweisen kann (Mutter Franziska Prinzessin zu Fürstenberg). Der Bestand des Meinl am Graben dürfte jedenfalls bis auf Weiteres gesichert sein.

Selbst legt er eher selten eine Sohle aufs Parkett -aber wer würde das schließlich schon tun, stünde er so regelmäßig im Schatten diverser Bewegungskünstler von Weltformat wie Impulstanz-Intendant Karl Regensburger? Schüchtern doch irgendwie ein, diese begnadeten Körper. 1984 hat er einst zusammen mit Ismael Ivo das Impulstanz-Festival ins Leben gerufen - am Montag steckte ihm dafür Sven Gatz, der belgische Minister für Kultur, Medien und Jugend, im Restaurant Vestibül den "Leopold II"-Orden an. Mitgefeiert haben unter anderen die beiden belgischen Choreografie-Stars Wim Vandekeybus und Anne Teresa De Keersmaeker, Sabine Haag Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, Hans-Peter Wipplinger, Chef des Leopold Museums, Karola Kraus (Mumok) und der in New York lebende österreichische Künstler Markus Schinwald. Wir gratulieren!


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