Phettbergs Predigtdienst

Sie sehen ja aus wie meine Mama!

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kolumnen | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

Viele Worte kenn ich nur von meiner Mama.

Erstens: Koschanod (Als ich circa vier, fünf war, hab ich das Wort zum ersten Mal gehört. Die Mama fragte mich, was ich denn da für einen Koschanod am Teller hätte?). Denn, was ich nur fassen konnte, fraß ich zsamm. Ich kam nie auf die Idee, etwas am Teller überzulassen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich je etwas ablehnte, alles musste weg! Oft und oft leckte ich den Teller ganz sauber! Meine Eltern haben mich nie gezwungen, etwas zu Ende essen zu müssen, ich habe -von mir aus -Hunger ohne Ende.

Zweitens: Grind. (Die Mama sagte: "Du kriagst an ordentlichen Grind do uman Hois!")

Drittens: Kroing. (Außerm Essen mach ich nix lieber als schlafen.) Bis heute freut es mich, beim Aufstehen viele Schlafhansln (Kroing) in meinen Augen vorzufinden und voller Sorgfalt kletzel ich mir alle Kroing aus den Augen. Und die besonders dicken Kroing, mit denen spiel ich mich dann möglichst lange zwischen den Fingern. Das Wort "Kroing" kenn offensichtlich nur ich.

Meine Mama war so reinlich, nach der bestandenen Haushaltsprüfung kaufte ihr der Großvater von der Firma Singer die größte Version der Singer-Nähmaschine. Bis heute müsste ein kleines Flascherl Leinöl in der Nähmaschine liegen, denn Leinöl ist das reinlichste Ding der Erde! Meine Mama hatte auch ihr Hochzeitskleid sorgfältig aufbewahrt und damit ihre Statue der Gottesgebärin in einem Glas-Rondeau sorgfältig eingepackt.

Ich löffle jetzt jeden Tag einen ordentlichen Flohsamentee und quäle mich damit in die nächste Kotphase, die unbedingt rausmuss, aber oft stundenlang braucht, auf dass sie hinausgeht. Nach dem heutigen Koschanod wollte ich eigentlich zum Kinofilm von Josef Hader über Stefan Zweig ins Apollo-Kino gehen, aber meine Kotphase kam zu spät. Und so tröstete mich Sir eze, indem er mich stattdessen in die Sonne des Burggartens schob, und zwar genau vor den Teich. Am Weg dorthin saß im Bus eine Dame, die genauso aussah wie meine Mama. Und ich musste dringend hinausverkünden: "Sie sehen ja aus wie meine Mama!" Die Dame stieg bei der Laimgrubengasse wieder aus und winkte mir zu.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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