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Der Hoden ist der neue Busen!

Medien | Werbekolumne: Maximilian Zirkowitsch | aus FALTER 29/16 vom 20.07.2016

An dieser Stelle wurde bereits über den drögen Aufguss sexistischer Klischees geschrieben, den der Wettbetreiber bet-athome anlässlich der Fußball-Europameisterschaft konsequenterweise europaweit plakatieren und senden lässt.

Neben der großteils wenig wohlwollenden Berichterstattung, den Beschwerden beim Werberat und einem Leserinnenbrief an den Falter zum Thema sticht die Reaktion der Plattform 20000Frauen (sic!) hervor.

Die Feministinnen äußern ihre Kritik in Form einer liebenswerten Würdigung der Kampagne. Wie im Originalsujet sieht man einen nackten Körper mit dem Popsch im Mittelpunkt.

Wieder wird das Bild vom Feldstecherblick gerahmt. Allerdings ist es diesmal ein Männerhintern. Wie man das erkennt?

Nun, neben dem Fußball sind da auch zwei andere Bälle im Bild. Luftig baumeln sie und erinnern den Betrachter daran, wie verletzlich Geschlecht und Identität sind.

Das Sujet liegt in mehreren Varianten vor, unter anderen als "Balls for Boys","Das Leben ist ein Ballspiel" und "Wetten, dass es um Fußball geht?"

Aber wem hält die Parodie den Spiegel vor? Die Eier halten den Männern einen Spiegel vor und das ist durchaus erfrischend. Viel zu selten kommt man in die Verlegenheit oder den Genuss, Hoden von hinten zu sehen. Es ist auch ziemlich selten, dass es Eiern gelingt, einen Spiegel zu halten.

Dafür und für den gänzlich moralinfreien Umgang mit Sexismus gebührt den Macherinnen Dank. Mit Hoden Hoden zu exkulpieren und Hodenträger in die Verantwortung zu nehmen ist ganz großes Kino.


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