Revoluzzer mit zarter Ader

Sigi Maron ist tot. Er war der goschertste Liedermacher des Landes. Und einer der besten

Feuilleton | Nachruf: Gerhard Stöger | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Unser Vater hat immer gesagt: 'Buben, wenn ihr groß seids, tuts kommunistisch wählen und nehmts Pitralon.' Beides mache ich bis heute." Es gab kaum ein Interview, in dem Sigi Maron diesen Spruch nicht gebracht hätte, doch er funktionierte immer wieder.

In ihm steckt so einiges, das den großen österreichischen Liedermacher, Kommunisten und Atheisten ausgemacht hat: Beharrlichkeit, Haltung, Direktheit, Ehrlichkeit und Humor. Dass der Sager ein bisschen kindisch war, passte ebenfalls zu dem Sänger, der einst "Sigi ist eine Sau" als Wandgraffito auf eine Plattencoverrückseite drucken ließ.

Sigi Maron hatte im Austropop zwei Alleinstellungsmerkmale. Er war der Mann im Rollstuhl, und er war unter den Dialektliedermachern der 1970er jener mit der direktesten Sprache. Einem seiner bekanntesten Lieder, der zur minimalistischen Gitarrenbegleitung mehr gesprochenen als gesungenen "Ballade von ana hoatn Wochn", genügten die vier Worte des Götz-Zitats als Refrain: "Leckts mi aum Oasch", gebrüllt


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