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Florian Klenk
Falter & Meinung | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Es gibt Fälle, die begleiten einen fast ein halbes Leben. Der Fall Grasser ist so ein Fall. Im Jahr 2003 traf ich einen Politiker im Rathauspark, der mir einen geheimen Rechnungshofbericht zusteckte.

Darin war festgehalten, wie Karl-Heinz Grasser Steuergeld für Beratungsleistungen seiner Freunde verschleuderte. Es waren Millionen. Profitiert hatten Peter Hochegger und Walter Meischberger. Wir begannen zu stöbern und stellten uns die Frage, wo das Geld hingeflossen sei. Etwa in die Homepage des Ministers? Nein, sagte Grasser vor dem Nationalrat, die habe er doch "privat gesponsert". Ein Raunen ging damals durch das Plenum. Denn der Sponsor war die Industriellenvereinigung. Sie zahlte Grasser etwa 200.000 Euro, damit er sich inszenieren konnte. Steuerfrei.

Seit damals hegten wir einen Verdacht: Grasser nimmt Geld. Aber wofür? Wieso steckt man es ihm zu? Ist er korrupt? Hinweise gab es immer wieder, doch sie wurden nie so gerichtsfest, dass man über sie hätte berichten können.

2009 schließlich legten seine Berater Hochegger und Meischberger Geständnisse ab. Sie schnitten beim Buwog-Deal mit und vergaßen ihre Millionen zu versteuern. Waren es ihre Millionen? Oder jene Grassers? Das hat die Staatsanwaltschaft zu ergründen versucht. Nun liegt ihre Anklage vor. Gemeinsam mit Josef Redl (er deckte einst einen wichtigen Aspekt der Buwog-Affäre im Profil auf) habe ich den Krimi noch einmal erzählt. Ein Interview mit dem Falter hat Grasser abgelehnt. In einem Hintergrundgespräch beteuerte er seine Unschuld. Sie wird vermutet.


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