Tiere

Freudenhäuser

Peter Iwaniewicz hält in Wirklichkeit Insekten für die besten Freunde des Menschen

Falters Zoo | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016


Fangen wir mit einem alten Schülerwitz an: Welche Arten von Haustieren gibt es? Zwei, nämlich Nutzhaustiere und Freudenhaustiere. Wenn Sie mit dem Schenkelklopfen fertig sind, dann erkläre ich auch gerne, wieso diese Unterscheidung wichtig ist und sogar Grund für eine wissenschaftliche Studie war. Die Liste neu eingeführter Nutztiere wie Lamas und Büffel in Europa ist sehr überschaubar, weil meist Traditionen (keine Zebuzucht) und Geschmäcker (kein Meerschweinchenfleisch) dagegenhalten. Aber im Bereich der Freuden- bzw. Gesellschaftstiere steigt das Angebot: Minischweine, Mangusten, Waschbären leben immer öfter mit uns zusammen. Die Niederlande haben deswegen 2013 ein Tiergesetz erlassen, dass die Haltung von Säugetieren zwar grundsätzlich verbietet, aber zahlreiche Ausnahmen zulässt. Wissenschaftler haben die häufigsten neuen Säugetierspezies in den Niederlanden erhoben und 90 Arten danach gereiht, welche sich am besten als Haustiere eignen.

Leider vermischen sich die eingangs bewitzelten Bereiche, so dass sich unter den Top Ten nicht nur Nutztiere wie der japanische Sikahirsch finden, sondern ebenso Kuscheltiere wie die Fettschwanz-Rennmaus.

Nur der Fleckenmusang auf Platz fünf eignet sich als Kaffeebohnen durch die Darmpassage veredelnde Zibetkatze ebenso für landwirtschaftliche Produktion wie privates Vergnügen.

Interessant ist auch das Ende der Liste: Bei Elchen, Präriehunden und Wüstenfüchsen stimme ich der Reihung zu, denn diese passen weder in Wohnzimmer noch in Bauernhöfe.

Aber die zwischenartlichen Bedürfnisse urbaner Menschen kommen zu kurz: Der Kurzkopfgleitbeutler gehört sicher nicht auf den vorletzten Platz! Mit 21 cm Länge passt er in jede Kleinwohnung. Der gesellige und nachtaktive Baumbewohner eignet sich bestens für Menschen, die nach der „ZiB 3“ noch Ansprache brauchen und dann mit ihrem vom Bücherregal hängenden Mitbewohner kommunizieren wollen. Ihre Grundnahrung, Säfte von Eukalyptus und Akazienbäumen, bekommt man in jedem Bioladen. Bei großer Hitze, Kälte und Nahrungsmangel fallen die Beutler in einen Starrezustand, der sie auch gelegentliche Unaufmerksamkeiten oder Kurzurlaube ihres Halters gut überleben lässt. Die Sekretdrüse am After und die daraus abgesonderte bräunliche Flüssigkeit ist nur anfangs eine Herausforderung, von weißen Flokati-Teppichen rate ich aber ab. So sieht das Haustier 2.0 aus.


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