Kunst Tipp

Ein Münchner Malerfürst in Wien


MD
Lexikon | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Man kann über die Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco sagen, was man will. Aber die aktuellen Ausstellungen in den diversen Außenstellen sind sehenswert. So auch die Schau "Sünde und Secession" über den Münchner Malerfürsten Franz Stuck, eine Übergangsfigur zwischen Historismus und Moderne.

Im Zentrum stehen dessen Verbindungen zu Wien. Stuck hatte 1892 im Künstlerhaus eine vielbeachtete Ausstellung und er verlegte die Mappenwerke "Allegorien und Embleme" und "Karten und Vignetten" bei dem Wiener Verlag Gerlach &Schenk.

Was die Jugendstilkünstler an Stuck interessierte, wird etwa in seinem bekanntesten Werk "Sünde" deutlich, einer personifizierten Femme Fatale. Der Maler verwendet einen harten Hell-Dunkel-Kontrast, wie ihn die Expressionisten einsetzen werden. Zwar braucht er noch die allegorische Verhüllung, aber das Sujet ist bereits ein Vorgriff auf die sexuelle Befreiung, wie sie in den Bildern Gustav Klimts gefeiert wird: Die halbnackte Frau und die Schlange als Symbol für die biblische Sünde blicken den Betrachter respektlos an, ohne die für die Zeit typische schamhafte Verklemmtheit. Stuck gestaltete auch die Bilderrahmen und nimmt damit jene Verschmelzung von Kunst und Design vorweg, wie sie für die Secession und die Wiener Werkstätte typisch sein wird. Die Kunstgewerbler kauften Stucks Mappen als Vorlagen.

Kurator Alexander Klee bindet auf anschauliche Weise die Fotografie in die Präsentation ein, vor allem in der Landschaftsmalerei bediente sich Franz Stuck fotografischer Vorlagen. Geschickt verstand es der Künstler, mit druckgrafischen Werken seine internationale Bekanntheit zu fördern. Beispiele von Wiener Secessions-Malern, etwa Carl Moll und Gustav Klimt, belegen den großen Einfluss des Münchner Kollegen.

Unteres Belvedere, bis 9.10.


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