Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Kultur


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Falter & Meinung | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Die Spaßfraktion im Falter hatte sich wieder einmal durchgesetzt und rückte eine Verarschung der etablierten Kabarettszene unter dem Titel "Im Netz des Witzes" als Parodie eines Boulevardcovers aufs Titelblatt. Offenbar konnte das OK (Organisiertes Kabarett) von der Polizei und deren SOKOK (Sonderkommission OK) nicht und nicht unter Kontrolle gebracht werden. Das OK, angeführt von drei Verdächtigen - Oberpate Hans-Peter Heinzl, Halbwitzganove Joesi Prokopetz und die graue OK-Eminenz Peter Lodynski -, hatte offenbar vor, das Tabor-Kino zu übernehmen, das nach Ansicht des Falter jedoch dem Stadtkino übergeben werden sollte. Letzte Hoffnung: "Die verantwortliche Politikerin Uschi P., genannt ,die Unbestechliche'. Sie hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie mit billigen Witzen nicht zu ködern ist." Das Tabor-Kino wurde weder Stadtkino noch Kabarett. Es wurde ein Supermarkt.

Ernsteres zum Zustand der Kulturschaffenden bot Franz Schuh in dem Essay "Kultur als Existenzfrage". Es ging um die öffentliche Finanzierung von Kunst, die in den 1990er-Jahren immer mehr infrage gestellt wurde. Schuh schrieb zum Beispiel: "Es werden Leute kommen und sagen, erst Not macht erfinderisch, erst die Not ist die wahre Kunstförderung ( ) Noch Klügere, die es gewohnt sind, ihre Distinktionsprofite am guten Willen anderer zu machen, werden die Einhelligkeit der Empörung unter den Mitgliedern der neuen Steuergruppe verspotten.

Geschenkt, dass Kultur ein schwammiger Begriff ist. An der, die wir haben, schätze ich so sehr, dass sie immer wieder die Klischees, die über sie im Umlauf sind, auch bestätigt. Dafür ist sie sich nie zu dumm, und daher lautet eine ihrer Definitionen: Diese Kultur macht ihre Klischees erlebbar - was auch wiederum ein Klischee ist.

Ich habe erlebt, dass viele Kulturfunktionäre, also viele jener Leute, die im Kulturbetrieb fest angestellt sind, sei es nun in Verlagen oder in Redaktionen, sei es beim Film, Funk oder Fernsehen, keineswegs nur dumm sind; sie sind geradezu systematisch geistfeindlich."

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FALTER 46/18

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