Menschen

Summer in the City


Lukas Matzinger
Falters Zoo | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Es ist Sommer in Wien, und das merkt man mitunter daran, dass man nicht nur bei ausgiebig schwitzenden Sitznachbarn in der U-Bahn, sondern auch regelmäßig bei diversen schön-bekannten Stadtfestivals picken bleibt.

Das O-Töne im Museumsquartier zum Beispiel ist im Gange, wo die Autoren der aufregendsten Bücher des Jahres aus eben diesen Werken vorlesen. Zusätzlich gibt es heuer erstmals kleine Side-Events, bei denen potenziell aufregende Debütanten vortragen dürfen. Zur Eröffnung kam der berühmte Thomas Glavinic, eine Woche später las Eva Schmidt, und so geht das jetzt jeden Donnerstag so dahin - bis in den September hinein.

Ebenfalls jeden Donnerstag, was aber aufgrund der vermutlich überschaubaren Schnittmenge der beiden Zielgruppen eher wurscht sein wird, gibt's die allseits beliebte "Parken"-Reihe im Sigmund-Freud-Park. Da spielen vornehmlich abgefahrene elektronische Künstler aus Österreich oder auch nicht, live oder auch nicht. Zuletzt waren Superskin aus Wien und Jim Brown aus Los Angeles an der Reihe. Wer musikalisch gesehen abenteuerlustig ist, könnte demnach einen Donnerstag im Park ins Auge fassen.

Beim üppigen Impulstanz-Festival begannen vergangene Woche die großen Chroreografen und Gesamtkünstler Xavier Le Roy und Ivo Dimchev ihre teils schweren Solostücke auf Wiener Bühnen zu bringen. Die sind hart, aber schön und noch lange nicht alles im Programmheft: Einen Monat lang gibt es beim größten zeitgenössischen Tanzfestival Europas so viele aufregende Auftritte zu sehen, zu hören und zu spüren, dass man gar nicht recht weiß, wo man anfangen soll.

Ein wenig weniger aufgetunt ist die Platzkonzerte-Reihe im Hof des Wuk, bei der immer dienstags bis freitags des Abends kleine, fast nur österreichische Bands unterschiedlicher Gangarten auftreten. Vergangene Woche hat's mit Katie Kern & Angel Creek, Harlequin's Glance, Mani Leik und dem Martin Philadelphy Trio angefangen. Das meiste ist recht zahm und gemütlich und folkpop-rockig und tut nicht weh.

Im Übrigen sei hier vermerkt, dass am Dienstag der vergangenen Woche der große und einzig wahre DJ-Gigolo Hell aus Altenmarkt an der Alz in Bayern eine weitere seiner Messen im Wiener Flex gehalten hat. In jenem Club, von dem er sagt, dass er ihn liebt, und in dem er schon so viele legendäre Nächte gespielt hat, konnte er natürlich wieder nicht anders, als die versammelte Tanzgemeinde der Stadt mit seinem House-Minimal-Techno ab zwei Uhr bis Schluss wegzubimmeln. Seit 35 Jahren Nachtarbeit im Namen der deutschen Elektro-Kultur. Es kann nur einen Hell geben.


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