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Wissen kann man nicht erzwingen


Geständnis: Nina Brnada
Medien | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Es gäbe so viele Momente, so viele Gelegenheiten, bei denen man dem Wahnsinn ein Ende machen könnte. Aber man tut es nicht. Man fragt nicht. Es ist wie das Gefühl, wenn man zum ersten Mal ein Fremdwort hört, das man nicht versteht. Und dann hört man es wieder und weiß eigentlich immer noch nicht, was es bedeutet. Und dann wieder. Und nochmal. Bis man sich irgenwann damit abfindet, denn es ist jetzt einfach da, und wenn es weg ist, wird es wiederkommen.

Anstelle von Wissen tritt Intuition, eine Ahnung von dem, was die Dinge bedeuten könnten. Wie durch einen Schleier glaubt man ihr Wesen zu erkennen. Aber wirklich wissen tut man gar nichts.

Zum Beispiel bei Pokémon Go. Ich weiß bis heute nicht, was das ist. Also so wirklich. Es gibt viele von uns, die mehr ahnen, als sie wissen. Wir sind alle gleich, und doch ist jeder von uns etwas ganz Besonderes. Manche kapieren nicht, was Spotify ist oder wozu man einen Hashtag braucht. Snapchat? Worum geht's bei " Making a Murderer"? Und "Grey's Anatomy" - was ist das überhaupt? Es gibt Menschen, die sich jede Woche aufs Neue erklären lassen, wie man Serien streamt, und es dann doch nie hinkriegen.

All diese Apps und Serien sind zu allgegenwärtig, um einem wurscht zu sein. Aber sie sind unsereins auch zu wurscht, um sie zum Beispiel kurz mal zu googlen. Und so vergeht die Zeit. Monate, Jahre. Und irgendwann, wenn man überhaupt nicht mehr damit rechnet, versteht man. Es passiert, einfach so. Ich kenne zum Beispiel seit kurzem alle Staffeln von "House of Cards", also die auf Netflix (ja, auch bei Netflix kann mir niemand mehr was vormachen). Und Instagram hab ich jetzt auch.


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