Kommentar Russisches Doping

Im olympischen Traum schläft die Vernunft und gebiert Ungeheuer


Johann Skocek

Falter & Meinung, FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Es gibt sie, die eine offene, klare, kritische Stimme. "Für mich ist diese Entscheidung nicht nachzuvollziehen", sagte Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Er kritisierte die Entscheidung des IOC, Russlands Olympisches Komitee und Olympiateam nicht kollektiv von den Sommerspielen auszuschließen. Vor kurzem hatte der Bericht einer Unabhängigen Kommission in Russland ein Staatsdopingsystem belegt. Nun müssen die Internationalen Sportverbände die Russen individuell auf Sauberkeit überprüfen. Angesichts des Zeitdrucks unmöglich.

IOC-Präsident Thomas Bach hat den kleinen Rest an Glaubwürdigkeit verspielt, den das globale Sport-Business noch hatte. Was, wenn nicht Staatsdoping, ist notwendig, um Betrüger aus der "Olympischen Familie" auszuschließen? Bach hätte nur die "Olympische Charta" anwenden müssen. Der Geschäftsführer des ÖOC, Peter Mennel, sah im IOC-Spruch, "saubere Athleten zu schützen", statt eine Kollektivstrafe zu verhängen, "Sinn".

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