Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Auslandssemester als Pflicht? Warum FH-Studenten protestieren

Politik | Marlene Liebhart | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

An der Fachhochschule (FH) der Wirtschaftskammer in Wien legt man viel Wert auf Familienverträglichkeit. Im Winter letzten Jahres wurde sie sogar, zum zweiten Mal, von Familienministerin Sophie Karmasin dafür ausgezeichnet. Über 2600 Menschen studieren dort in Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengängen aus den Bereichen Management und Kommunikation. Pro Semester kostet der Studienbeitrag rund 380 Euro.

In Zukunft werden vermehrt Kosten auf die Studierenden zukommen. Ab 2018 werden an der FH für alle Vollzeitstudierenden verpflichtende Auslandssemester oder -praktika eingeführt. Das soll Studierende besser auf das Berufsleben in einer globalisierten Welt vorbereiten und ist an manchen anderen FHs schon üblich.

Für die Vertreter der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) an der FH überwiegen die Nachteile -zumindest für berufstätige und finanziell schwache Studierende sowie Studierende mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Alle ÖH-Fraktionen haben sich einstimmig gegen das verpflichtende Auslandssemester ausgesprochen.

Radovan Baloun, Vorsitzender der ÖH der FH Wien, vermutet darin den Ausdruck einer politischen Ideologie. "Ich persönlich glaube ja, dass manche es als etwas Gutes sehen würden, wenn die FH noch elitärer würde", sagt er. "Die Erhalter der FH sind die Wirtschaftskammer und der Fonds der Wiener Kaufmannschaft. Das ist ein ÖVP-nahes Milieu, das gesellschaftskonservative und wirtschaftsliberale Positionen einnimmt und mit Umverteilung und sozialer Durchlässigkeit nicht so viel am Hut hat."

Auf diese Vorwürfe möchte Susanne Schalek, Sprecherin der FH, nicht eingehen. Man würde sich jedenfalls bemühen, allen Studierenden einen solchen Auslandsaufenthalt möglich zu machen. "Es ist uns ein besonderes Anliegen, für individuelle Fälle gemeinsam mit den Studierenden individuelle Lösungen zu finden." Die FH werde dafür aber keine weiteren Gelder bereitstellen.


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