Wie eine Wiener Schule von Erdogan-Anhängern eingeschüchtert wird

Politik | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Am Tag nach dem Putsch, am 16. Juli, wurden zwei Fenster im Speisesaal des Wiener Phönix-Gymnasiums mit Steinen eingeschlagen. Das Gymnasium ist eine Privatschule der türkisch-islamischen Gülen-Bewegung in Favoriten. Die Gülen-Bewegung wird vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bezichtigt, hinter dem jüngsten Putschversuch zu stecken.

Schon in der Nacht des Putschversuchs stellten Türken Drohungen gegen Wiener Gülen-Einrichtungen online. Da standen Dinge zu lesen wie: "Warum treffen wir uns nicht gleich im 10. Bezirk bei der Phönix-Schule und zerstören dieses Gebäude?" oder "Wir werden sie bestrafen".

Es kursieren gar Listen mit Namen jener türkischstämmigen Wiener Eltern, deren Kinder die Gülen-Schule besuchen.

Auf eine Anfrage des Falter bei der Pressestelle der Polizeidirektion Wien heißt es jedoch, es gäbe keine Anzeige und es hätte am Phönix-Gymnasium "seit Jahren" keinerlei Sachbeschädigungen gegeben. Dass das nicht stimmt, zeigt ein Blick in die Akten, die dem Falter im Zuge der Recherche vorgelegt wurden. Tatsächlich wurde bei der Polizeidirektion Van-der-Nüll-Gasse in Wien-Favoriten Anzeige wegen Sachbeschädigung gegen unbekannt erstattet.

Es wurden auch die Drohungen von der Polizei protokolliert. Offensichtlich haben diese Vorfälle die Chefetage der Wiener Polizei noch nicht erreicht.


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