Kommentar Kinoprogramm

Warum wir keine Rezension des neuen "Star Trek"-Films bringen

Michael Omasta | Falter & Meinung | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Mr. Spock hätte dieses Problem gewiss kein Kopfzerbrechen bereitet. Er hätte vermutlich nur kurz die Augenbraue hochgezogen, eine "temporale Anomalie" geortet und sich wieder an die Arbeit gemacht.

Eben dabei allerdings werden Filmkritiker - zumal jene von Wochenzeitungen oder sogenannten Langplanern - immer wieder einmal behindert. Die großen Studios respektive Verleihfirmen zeigen der Presse ihre neuen Produkte mitunter extrem kurzfristig und zudem häufig mit aberwitzigen Embargos versehen. Im aktuellen Fall, "Star Trek Beyond", dem dritten Teil des Raumschiff-Enterprise-Reboots, fand die Pressevorstellung am Tag vor dem Kinostart statt und die Sperrfrist endete ganze vier Stunden vor der ersten Vorstellung.

Derlei marketingstrategische Mätzchen kommen ungefähr so cool rüber wie Kuratoren, die ihre Interviews gegenlesen wollen, oder Schauspieler, die Fotos durch ihr Management autorisieren lassen. Eine gewisse Nervosität ist bei einem 200-Millionen-Dollar-Investment freilich verständlich - und, wie sich nach Besichtigung des Films am Wochenende zeigte, auch mehr als angebracht.

Ideenlos, schmählos, Hauptsache immer was los: Eingefleischte Trekkies dürften an diesem x-beliebigen Actionstreifen nicht allzu viel Freude haben. J.J. Abrams, der Regisseur der zwei gelungenen vorherigen Filme, hat sich in den Produzentenstuhl gebeamt und den Job einem wenig inspirierten Adlatus überlassen.

Einziger Zugewinn ist eine Weltall-Amazone namens Jaylah (dargestellt von der aus Algerien stammenden Tänzerin Sofia Boutella), die den Burschen von der Enterprise den Hintern rettet. Und damit, ein bissl zumindest, auch den Film.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige