Am Apparat Telefonkolumne

Was wissen wir über den Täter von Ansbach, Herr Grundböck?

Interview: L. Matzinger | Politik | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Am Sonntag gegen 22 Uhr sprengte sich ein 27-jähriger Syrer vor dem Gelände eines Musikfestivals im fränkischen Ansbach in die Luft. Neben den Sprengstoff hatte er viele kleine Metallteile in seinen Rucksack gelegt. Er starb, 15 andere wurden teils schwer verletzt. Auf seinem Handy wurden IS-Videos und seine Ankündigung eines Racheakts gefunden. Dass Wolfgang Ambros auf diesem Festival spielte, ist nicht die einzige Verbindung zu Österreich. Der Täter hat hier im Jahr 2014 einen Asylantrag gestellt. Was wissen wir über diesen Mann? Der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, erklärt.

Was wissen die österreichischen Behörden über den Attentäter?

Der Mann ist Mitte April 2014 mit dem Flugzeug nach Österreich gekommen und hat einen Asylantrag gestellt. Österreich hat diesen im Mai abgeleht, da er bereits im Jahr 2013 vom EU-und Dublin-Staat Bulgarien anerkannt wurde. Dort bekam er auch den sogenannten Flüchtlingspass, mit dem anerkannte Flüchtlinge 90 Tage lang visafrei reisen können.

Und mit dem reiste er dann weiter nach Deutschland?

Ja, in Deutschland hat er im August 2014 einen Asylantrag gestellt, der ebenfalls abgelehnt wurde.

Warum hat Deutschland den Mann nicht zurück nach Bulgarien geführt?

Das ist Sache der deutschen Behörden.

In Deutschland lebte der Mann "in Duldung". Was bedeutet das?

In Österreich werden Menschen geduldet, denen kein Asyl, subsidiärer Schutz oder humanitäres Bleiberecht gewährt wurde, bei denen aber eine Rückführung wegen der mangelnden Kooperation ihrer Heimatländer unmöglich ist.

Wie viele Menschen leben in Österreich derzeit in Duldung?

Etwa 250.

Wie werden die kontrolliert?

Menschen in Duldung bekommen die Grundversorgung. Der Status ist ständig unter Betrachtung und kann jederzeit widerrufen werden.


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