"Hoffentlich wird es laut genug"

Das Elektronik-Duo Ogris Debris bittet beim Popfest Wien zum Tanz auf dem Karlsplatz

Lexikon | INTERVIEW: GERHARD STÖGER | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016


Foto: Andreas Waldschuetz

Foto: Andreas Waldschuetz

House und Pop, Tanzbarkeit und Melodie, leiwander Schmäh, mitreißende Auftritte und ein Romy-Schneider-Zitat als Songrundlage: Gregor Ladenhauf, 37, und Daniel Kohlmeigner, 35, sind als Ogris Debris das etwas andere Wiener Elektronikduo, kühle Klangbastler und mitreißende Performer in Personalunion. 2005 gegründet, ist erst heuer im Frühjahr ihr Debüt „Constant Spring“ erschienen. Beim Popfest stellen sie es am Samstag auf der Seebühne vor der Karlskirche vor.

Falter: Sie waren 2010 beim ersten Popfest mit dabei, und schon damals hat man auf Ihr Album gewartet. Warum dauerte es letztlich bis heuer?

Daniel Kohlmeigner: Weil ständig etwas passiert ist. Wir haben live gespielt, Remixe gemacht und ein Dutzend Singles und EPs veröffentlicht. Fürs Album wollten wir uns genau die Zeit nehmen, die es braucht – und es hat eben viel Zeit gebraucht.

Gregor Ladenhauf: Oft heißt es, dass ein Album nicht mehr wichtig ist. Irgendwann wurde uns klar, dass genau das Gegenteil stimmt. Weil wir aber keine großen Business-Typen sind, haben wir das Album nie als möglichen Karriereschritt gesehen, es sollte einzig und alleine eine künstlerische Entscheidung sein. Irgendwann hat es dann den Punkt gegeben, wo wir gesagt haben: Jetzt wollen wir gern!

Wien hat eine lange Technogeschichte. Was zeichnet die Stadt heute aus?

Ladenhauf: Als wir begonnen haben, gab es im Elektronikbereich gerade ein kleines Vakuum. Inzwischen ist wieder viel passiert, aber Wien ist trotzdem anders als Städte wie London oder Berlin. Wien ist nicht groß genug für eine wirkliche Bewegung. Hier gilt eher: von allem ein bissi.

Hat Ihre Musik etwas Wienerisches?

Kohlmeigner: Wir wollen eigentlich, dass es nicht zu klar verortbar klingt.

Ladenhauf: Neben House und Techno sind unsere Bezugspunkte vor allem Jazz, Soul und Funk. Von „österreichischer Musik“ würde ich da nicht sprechen.

Kohlmeigner: Die Herangehensweise dahinter ist es vielleicht schon. Man geht in Wien sehr ernsthaft an Musik heran, man weiß, was auf der Welt passiert, kennt sich aus in der Materie, nimmt sich selber trotzdem ein bisschen auf die Schaufel und hat einen Schmäh. Das ist hier weit verbreitet und gilt auch für uns.

Was macht den Wiener Schmäh aus?

Ladenhauf: Es gibt eine wunderbare Erklärung zum Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern. Der Deutsche sagt: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, und der Österreicher sagt: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“. Wien wird nicht ganz zu unrecht eine gewisse Dosis Grant und Morbidität zugeschrieben. Damit es nicht zu viel wird, muss man das dann eben mit dem Schmäh ausgleichen.

Was bedeutet „Ogris Debris“?

Ladenhauf: Die offizielle Standardantwort lautet: Das ist der lateinische Name einer seltenen Chamäleonart in Indonesien …

Kohlmeigner: … die je nach Stimmung ihre Farbe ändert.

Ladenhauf: Die inoffizielle, langweilige Version ist, dass wir für unseren ersten Auftritt nach einem Namen gesucht haben. Ich hatte zwei Wörter im Kopf: „Brioche“ …

Kohlmeigner: … was gar nicht ging …

Ladenhauf: … und „Debris“, ein französisch-englisches Wort. Warum auch immer. Er hat „Ogris“ dazugeschrieben, und das war’s dann.

Kohlmeigner: In Spanien wurden wir einmal als „Orgis Derbis“ angesprochen. Das hält sich bis heute als interner Running Gag – wir haben damit den Namen für ein dreckiges Kommerzprojekt in der Hinterhand.

Wo treten Sie lieber auf: im Club oder auf der Konzertbühne?

Ladenhauf: Beides hat Vor- und Nachteile. Ich mag es, wenn ich auf einer großen Bühne herumlaufen kann, weil mir dieses Entertainer- und Frontman-Ding Spaß macht. Im Club wiederum sind die Menschen viel näher, du nimmst einzelne Gesichter und Reaktionen wahr, während sie bei Konzerten zur anonymen Masse werden.

Kohlmeigner: Wir mögen es prinzipiell schon gerne, wenn es beim Spielen heiß und schwitzig abgeht.

Ladenhauf: Da sich unsere Tracks zusehends in Richtung Song entwickelt haben, funktioniert es mittlerweile für ein Konzertpublikum genauso. Im Club hat man den Vorteil, dass sich die Menschen weniger beobachtet fühlen und etwas freier agieren. Wenn es dunkler ist, tanzen sie eher. Außer sie sind auf einem Riesenfestival, wo sie bereits seit zwei Tagen durchfeiern, dann ist ihnen eh alles wurscht.

Vor der großen Open-Air-Bühne beim Popfest haben Sie also keine Angst?

Kohlmeigner: Überhaupt nicht, wir freuen uns drauf. Hoffentlich wird es laut genug, denn das war in den vergangenen Jahren ja oft ein bisschen das Problem beim Popfest.

Popfest Wien: Karlsplatz, 28. bis 31.7.
Information: www.popfest.at


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