Kunst Tipp

Komposition für Plastikeimer und Seglerschnüre


MD
Lexikon | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Die US-amerikanische Künstlerin Jessica Stockholder fertigt seit den 80er-Jahren Rauminstallationen an, für die sie alltägliche Gegenstände verwendet. In Wien ist nun die raumfüllende Arbeit "Lay of the Land" nebst mehreren kleineren Skulpturen zu sehen. Stockholder gehört zu einer Generation von Künstlerinnen, denen der Kunstraum zu steril war und die daher die Gegenwart in die Galerie hereinholen wollten. Sie machten Ausstellungen, die vor Ort - in situ - entstanden und somit die Umgebung mit einfließen ließen.

"Lay of the Land" (2014) besteht aus einer Gruppe von Hockern und ineinander verkeilten orangen Mistkübeln. Von der Decke hängen Lampen mit Metallschirmen, die die Szene in ein warmes Licht tauchen. Auf dem Boden liegt ein Perserteppich, den man als zufälligen Verweis auf den Ort, ein historisches Gebäude im ersten Bezirk, deuten könnte.

Die Künstlerin sucht ihr Material in den Abfällen der Konsumgesellschaft, sammelt Teppichreste, Spiegel und Legosteine, die sie dann weiterverarbeitet. "Square Dance" (2014) ist eine Art Totem: zwei Stäbe bilden ein Kreuz, über das ein grobes weißes Netz gespannt ist und von dem rote Stoffstreifen herunterhängen. So beiläufig Stockholders Objekte auch hergestellt sein mögen, sie wirken überhaupt nicht wie Trash. Wenn die Eimer und Segelschnüre nicht schon selbst schon grün oder lila sind, hilft die Künstlerin mit etwas Farbe nach. Sogar Plastik hat eine freundliche Anmutung und erinnert nicht an Untergang, sondern an eine fröhliche Krabbelstube. Die Künstlerin schafft eine Balance zwischen Straße und Museum, Skulptur und Malerei. Die Künstler der 50er-Jahre zauberten lockere Kompositionen auf die Leinwand. Auf ähnlich Weise geht Stockholder mit Räumen um, improvisiert mit Fäden, Farben und Fellen.

Galerie nächst St. Stephan, bis 30.7.


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