Film Neu im Kino

Helmut, der Spion: "Deckname Holec"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 30/16 vom 27.07.2016

Es gab einen Batzen Bahö, als 2009 durch einen Bericht des Magazins Profil an die Öffentlichkeit kam, dass Helmut Zilk in den 1960er-Jahren als Informant des tschechoslowakischen Geheimdienstes tätig gewesen sein soll. Der spätere Wiener Bürgermeister war in dieser Zeit Journalist und Fernsehdirektor, bekannt geworden mit den "Stadtgesprächen".

Eine legendäre Ausgabe dieses TV-Formats, live aus Prag gesendet, bildet denn auch den Anfang von Franz Novotnys Spielfilm "Deckname Holec". Auf der Afterparty verguckt sich der lebensfrohe Helmut in die hübsche Schauspielerin Eva. Während diese noch in Streitereien mit ihrem Freund, dem vom Regime gedrückten Regisseur Honza, verwickelt ist, wird Zilk vom Geheimagenten Nahodil umschmeichelt, der sich für das nächste Treffen mehr als nur eine Angelleine aus dem Westen wünscht. Einige linkische Spionagetätigkeiten und eine Affäre mit Eva später bricht der Prager Frühling aus. Zilk soll dazu erpresst werden, im ORF einen Propagandafilm auszustrahlen. Gleichzeitig bietet ihm Honza frisch gefilmtes Material über den Sowjet-Einmarsch in Prag an.

Beruhend auf "realen und vermuteten Geschehnissen", den publizierten Geheimdienstakten und einer Erzählung des tschechischen Regisseurs Jan Němec, an den die Figur Honza angelehnt ist, kocht Novotny ein satirischleichtes Spionagethriller-Süppchen, das lustvoll Sixties-Interieur und überzeichnete Charaktere ins Bild rückt: Kernig-machohaft ist Johannes Zeilers Zilk, kulleräugig Vica Kerekes' Eva, getrieben Kryštof Hádeks Honza.

So vage, augenzwinkernd und harmlos unterhaltend, wie "Deckname Holec" ist, kann von einem Skandalfilm keine Rede sein. Nur ein "Oaschloch" muss der fiktive Helmut sich zum allgemeinen Happy End nennen lassen.

Ab Fr in den Kinos


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