Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Zugemauerte Parteizentrale nach einer Demo von Rechtsextremen

Politik | Luca Gasser | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Die Mauer ist schon wieder gefallen. Im Innenhof der Parteizentrale der Wiener Grünen in der Lindengasse falten drei junge Mitarbeiter grüne Flugblätter, als wäre nichts geschehen. Ansonsten ist das Haus leer. Nur einige weiße Klebeflecken am Gehsteig vor dem Haupteingang und der Besuch eines Polizisten zeugen noch vom illegalen Bauprojekt, das in der Nacht von Sonntag auf Montag umgesetzt wurde.

Eine Reinigungskraft konnte frühmorgens ihren Arbeitsplatz nicht betreten, weil das Tor mit einer hüfthohen Ziegelmauer verbaut war. Diese musste von innen umgestoßen werden, um Zutritt zu ermöglichen. Hintergrund sei laut anonymem Bekennerschreiben die Identitären-Demo von vergangenem Mittwoch, die ursprünglich vor der grünen Parteizentrale stattfinden hätte sollen. Nach Protesten der Grünen hatte die Polizei die Versammlung auf den Christian-Broda-Platz verlegt.

Jetzt muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob es sich bei dem illegalen Mauerbau um Sachbeschädigung oder nur um Besitzstörung handelt. Wer die Täter tatsächlich sind, wissen weder Grüne noch Polizei. "Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet", sagt die grüne Pressesprecherin Ulrike Kittelberger. Stunden später veröffentlichten die Identitären jedenfalls in sozialen Netzwerken Fotos von der Mauer samt Bekennerschreiben, das ihnen angeblich zugesendet worden war. Die Grünen hätten Terroristen "hereingeholt" und "alle Warner und Kritiker als Rassisten diffamiert", heißt es darin. Mit der Mauer solle verdeutlicht werden, dass es so "nicht weitergehen" könne. Auf den Ziegeln prangten unter einem schwarzen Kreuz in Spraylettern "Eure Schuld" und "Pro Border".

Die Grünen schleiften die Mauer, die MA 48 transportierte sie ab. Die Aufräumarbeiten dauerten rund 15 Minuten. Der Polizist verlässt das Gebäude nach dem Fall der Mauer ohne neue Erkenntnisse und ohne Behinderung. Jetzt ist die Tür ja wieder frei.


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