Kommentar Copa Cagrana

Wenn die Stadt alte Freunde loswerden muss

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Geben ist seliger denn nehmen - so steht es nicht nur in der Bibel geschrieben, sondern man könnte auch fast glauben, dass so das Motto der Wiener Stadtregierung lautet. Zumindest, wenn es um die kommerzielle Nutzung öffentlicher Flächen geht.

Vergangene Woche war zu vernehmen, SP-Umweltstadträtin Ulli Sima habe den langen Kampf um die Copa Cagrana gewonnen. Nun endgültig. Der einstige Generalpächter Norbert Weber sei insolvent. Zeit war es, dass die Stadt uns unsere Flächen zurückerstreitet, wird sich so manch einer gedacht haben. Das Perfide an dem Jahre währenden Rechtsstreit ist allerdings, dass es eben die Stadt Wien war, die Weber einst in den 1980er-Jahren mit Handkuss ein Grundstück in der Größe der Copa Cagrana gab - und das nicht nur zum lächerlichen Preis von 60.000 Euro pro Saison, sondern teilweise auch auf unbefristete Zeit und mit irrwitzigen Sonderrechten (etwa der "Sonnentagsregelung" an der Copa Cagrana, die eine Zinsreduktion bei Schlechtwetter vorsah).

Altlasten, könnte man nun sagen und behaupten, dass die Stadtregierung aus derartigen Fehlern gelernt habe. Würde sich da nicht gleich der nächste Rechtsstreit ankündigen. Die Protagonisten: wieder Ulli Sima vs. Norbert Weber. Dieses Mal geht es um ein Grundstück am Donaukanal, das man Weber 2007 verpachtete - zu einer Zeit, in der sich auf der Copa erste Probleme abzeichneten. Ingesamt hat Weber laut eigenen Angaben Pachtverträge für acht Grundstücke am Donaukanal. Und er war nicht der einzige Nutznießer: Ein Rechnungshofbericht dokumentiert, dass die Stadt Flächen aus dem Besitz der öffentlichen Hand zu Spottpreisen und unter intransparenten Bedingungen auch an eigene Beamte verteilt. Freundschaft.


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