Landrand Ruralismus

Grippe, Psychosen, Tote. Alles da

Gerlinde Pölsler über Landärzte, von denen die Hälfte im nächsten Jahrzehnt in Pension geht

Landleben | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Samstagnacht, ein Uhr: Eine alte Frau hat einen Zuckerschock. 22 Kilometer düst der Arzt zu ihr. Kaum daheim, klingelt's wieder: Autounfall. Der Arzt versucht den jungen Mann zu reanimieren, aber vergeblich.

Der Landarzt ist erste Anlaufstelle für alles. "Wenn einer psychotisch wird, dann hier und nicht beim Psychiater in Liezen", sagte Ernst Huber, praktischer Arzt im entlegenen St. Gallen, dem Falter einmal. Das bedeutet riesige Alleinverantwortung, ständige Bereitschaft und extrem lange Arbeitszeiten. Und die Kassentarife wirken nicht gerade als Teaser.

Und so suchen Landgemeinden verzweifelt nach Allgemeinmedizinern. Das steirische Hatzendorf wartet seit Frühling. Nicht nur müssen die Leute fünf bis acht Kilometer zum nächsten Doktor fahren, schlimmer: Sie bekommen zwar ihr Rezept oder was sie akut brauchen, aber die Ärzte nehmen sie nicht als Fixpatienten auf. Sie sind schon ausgelastet. Jetzt läuft in Hatzendorf die zweite Ausschreibung. In anderen Dörfern kann man da nur müde lächeln, die warten seit mehreren Jahren. Friedberg hat schon vier Mal ausgeschrieben, Krems-Rehberg probiert es zum achten Mal.


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