Die Grenze ist eine Wunde

Im Waldviertel arbeiten Kulturinitiativen an einer besseren Nachbarschaft zwischen Österreich und Tschechien. Doch die Grenze hält sich hartnäckig

Landleben | Begegnungen: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Hinter den sanften Hügeln des Waldviertels und in der Stille einer rauen Einsamkeit steht das verwaiste Grenzhaus auf einer Anhöhe. Die Abzweigung in das kleine Dorf Fratres auf der österreichischen Seite ist leicht zu übersehen und schon befindet man sich mitten im ehemaligen Niemandsland. Links vom Grenzhaus eine verlassene Villa, davor Drahtgestelle, an denen Fotos hängen. Rechts davon wurden auf einem Gerüst große Buchstaben montiert: „Wohin verschwinden die Grenzen – Kam mizi hranice“ ist da zu lesen.

Auch 27 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die Grenze sichtbar, greifbar und spürbar: Da drüben wohnt ein anderer, ist ihre Botschaft. Mit einer anderen Sprache und einer anderen Geschichte. Jahrzehntelang war hier die Welt zu Ende, noch bevor man auf den anderen hätte treffen können. Es war eine trügerische Sicherheit, aber eine Sicherheit, immerhin.


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