Kunst Kritik

Graue Zelle im Rausch tropischer Farben


MD
Lexikon | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Die Kunsthalle Wien präsentiert eine Personale der französischen Künstlerin Nathalie Du Pasquier, die in den 1980er-Jahren für die Mailänder Designgruppe Memphis arbeitete, ehe sie mit der Malerei begann. Die Schau eröffnet schöne Einblicke in ein Werk abseits des Mainstreams, in eine leise und dennoch vielschichtige Gedanken-und Formenwelt. In "Big Objects Not Always Silent" sind einige typische Memphis-Design-Objekte zu sehen, schiefe Regale und bunte Teppiche. Memphis steht für die postmoderne Idee einer die Gefühle der Benutzer ansprechenden Gestaltung. Die Möbel sind voller Anspielungen, eher Bilder als Objekte.

Auch Du Pasquiers Malereien spielen mit der Grenze zwischen Image und Materie. Manche Bilder sind geometrische Kompositionen, die auch die stilisierte Darstellung eines Stilllebens sein könnten. Ein eigener Raum belegt die Vorliebe für dieses Genre, das noch in profaner Zeit eine religiöse Bedeutung bewahrt: Im Stillleben haben Gläser und Schüsseln eine magische Aura.

Afrikanische Farben und Ornamente prägen Du Pasquiers Kunst. Als eine Inspiration gibt die Künstlerin auch die Wiener Werkstätte an, die um 1900 die räumliche Wirkung von Farbkontrasten und geometrischen Ornamenten erprobte. Zweidimensionale Objekte aus bemaltem und zugeschnittenem Papier alternieren mit dreidimensionalen, wandschmuckartigen Konstruktionen. Die Ausstellungsfläche ist in Zimmer unterteilt, in einem inszeniert Nathalie Du Pasquier einen harten Kontrast: draußen dominiert grelle Vielfarbigkeit, drinnen ein einziger durchgehender Farbton, die Wände und die aus Kuben, Säulen und Scheiben bestehenden Skulpturen sind alle gleich grau. So gerät der Betrachter in ein Spiel von Licht und Schatten, auch die Fläche bekommt Volumen.

Kunsthalle Wien, bis 13.11.


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