Tiere

Alles muss weg

Peter Iwaniewicz ruht wie Mücken nach Blutmahlzeiten drei Tage lang

Falters Zoo | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Auf der steten Suche nach Informationen, die das Leben der Leser dieser Kolumne erleichtern könnten, stieß ich auf eine Studie von äthiopischen und schwedischen Wissenschaftlern, die herausfand, dass Malaria übertragende Gelsen die Nähe von Hühnern meiden. Da die Möglichkeiten, diese mückenabwehrende Erkenntnis im praktischen Leben anzuwenden, auch von den finanziellen Möglichkeiten abhängt, gab es von den Forschern unterschiedliche Empfehlungen: In Äthiopien sollte das Huhn direkt über dem Bett hängen, während man in Schweden die abstoßenden Wirkstoffe eher aus den Hühnerfedern extrahiert und dann als Spray verwendet. Ich vermute, dass es auch in Österreich bei Stadt- und Landbevölkerung unterschiedliche Präferenzen für diese naturnahen Abwehrmethoden gibt.

Gelsen sind überraschend rätselhafte Lebewesen. Es gibt kein Wildtier, mit dem wir öfter und direkter Kontakt haben, und doch kennen wir sie kaum. Ein gerne und geradezu hingebungsvoll verbreiteter Irrtum ist, dass Gelsen nächtens vom Licht angelockt würden. Es gibt zwar viele Insekten, die Lampen und Flammen irrtümlich für den Mond halten und sich beim Fliegen daran orientieren (was bei so nahen, heißen Objekten dann zu einem fatalen Ende führt). Gelsen hingegen ignorieren Licht und UV-Bruzzler. Ihre Fühler registrieren das von uns ausgeatmete Kohlendioxid und riechen unseren Schweiß. Frisch geduschte Menschen werden deutlich seltener gestochen und – füge ich naseweis hinzu – Duschende gar nicht.

Irrtum 2: Gelsen ernähren sich von Blut. Die Tiere beiderlei Geschlechts sind Vegetarier, aber ohne das mit dem Blut zusätzlich aufgenommene Eiweiß können weibliche Gelsen keine Eier produzieren. Ja, an die Kinder denkt schon wieder keiner der Gelsenhasser!

Irrtum 3: Nicht die Gelsen sind blutrünstige Lebewesen, sondern eher Menschen. Die bei einer Gartenparty im Affekt gegen Mücken ausgestoßenen Massenvernichtungswünsche sind noch verständlich, aber es gibt auch viele Experten, die der Meinung sind, dass man diese Tiergruppe ohne ökologische Folgen einfach ausrotten könnte. Ja, es gibt auch Ökopopulismus und das klingt so: „Wenn wir sie auslöschen, dann wird das Ökosystem kurz husten und dann geht das Leben weiter“ meint Joe Conlon von der American Mosquito Control Association. Ja, lasst uns probieren, wie viele Schrauben wir vom Flugzeug abmontieren können, ohne dass es abstürzt. Oder doch lieber öfters duschen?


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