Film Neu im Kino

Halb geglücktes Mutter-Tochter-Drama: "Julieta"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Julieta, eine Frau Mitte 50, steht kurz davor, mit ihrem Partner von Madrid nach Portugal auszuwandern. Doch nach einer zufälligen Begegnung mit einer Jugendfreundin ihrer Tochter, Antía, sagt sie alle Pläne ab und trennt sich von Lorenzo. Sie zieht zurück in das Haus, in dem sie einst mit Antía wohnte, und hofft verzweifelt auf einen Brief ihrer Tochter, zu der sie seit zwölf Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Pedro Almodóvar entwickelte das Drehbuch für seinen 20. Film, "Julieta", auf Basis von drei Kurzgeschichten der kanadischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Alice Munro. Mit einem an Antía gerichteten Bericht beginnt Julieta ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. In Rückblenden erzählt der Film von ihrer Liebe zum Fischer Xoan, Antías Vater, ihrem sozialen Umfeld und dem tragischen Ende ihrer Beziehung. Unterstützt von ihrer Tochter kommt sie darüber hinweg - bis Antías plötzliches Verschwinden eine Phase jahrelanger Selbstzerfleischung bei Julieta (eindrucksvoll als Schmerzensfrau: Emma Suárez) auslöst.

Elegant in Szene gesetzt knüpft Almodóvar in seinem ernsten Drama einen komplexen emotionalen Teppich, der Liebe und Tod, Schuld und Trauer, Wut und Scham, Depression und Hoffnung, Fragen der Verantwortlichkeit und das fatale Fehlen von Kommunikation miteinander verquickt.

Es gelingt, diese Gefühle bedrückend-intensiv zu vermitteln, letztlich krankt das Gesamtbild aber an seiner Konstruiertheit: Der Bösartigkeit der Haushälterin, der Unbarmherzigkeit der (nie wieder in Erscheinung tretenden) Tochter, die nur durch extratragische Ereignisse ein Einsehen hat, mangelt es an Glaubwürdigkeit. Auch Almodóvars Symbolik - ein Hirsch im Schnee, der Selbstmord eines Fremden - pickt als Überfrachtung traurig am Rand der Geschichte.

Ab Fr im Kino (OmU im Votiv und Filmcasino)


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