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Leni Riefenstahl kommt doch nicht kommentarlos

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Es war ein geharnischtes Mail, das ORF-Publikumsrätin Eva Blimlinger Richtung Küniglberg schickte. Blimlinger, Historikerin und Rektorin der Akademie der bildenden Künste, störte, dass der Kulturspartenkanal ORF III am 6. August den Nazi-Propagandafilm "Olympia" von Leni Riefenstahl im Programm hat und diesen auch noch mit "erstmals im TV zu sehen" bewarb. Riefenstahl ist für ihre NS-Propagandafilme berühmt.

"Es ist aus meiner Sicht ein vollkommenes Missverständnis des öffentlich-rechtlichen Auftrags, NS-Propagandafilme unkommentiert als 'Film' auszustrahlen", schrieb Publikumsrätin Blimlinger der ORF-Chefredaktion. Eine 15-minütige Doku über Riefenstahl vor dem Film sei zu kurz, meinte Blimlinger, "noch dazu wenn ihr, wie im ORF-III-Programm angekündigt, die seltsame Frage 'War Riefenstahl Propagandistin oder lediglich politisch naiv?' vorangestellt werde.

ORF III lenkt ein. Die dem Film vorangestellte Dokumentation wird von 15 auf 30 Minuten verlängert, richtet der ORF-III-Programmchef Peter Schöber Blimlinger aus. Zusätzlich wird nun eine Kommentierung zwischen den einzelnen Filmteilen überlegt. Das sei gut, meint Blimlinger. "Man kann doch NS-Propaganda nicht wie einen James-Bond-Film zeigen."


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