Den Supermarkt kochen

Prosi, der bestsortierte exotische Supermarkt Wiens, hat nun auch ein Restaurant

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Prosi ist eine großartige Sache. Das heißt, eigentlich sind Prosi ein paar großartige Sachen. Als da zuerst einmal das Hauptgeschäft wäre, der Prosi Exotic Supermarket, von Prince Pallikunnel schon vor vielen Jahren gegründet, und zwar mit dem Hintergedanken, Menschen aus afrikanischen, asiatischen, ozeanischen und südamerikanischen Ländern zu ermöglichen, auch hier in Wien ihrer Küchentradition treu zu bleiben. An die 8000 Produkte führt der irrwitzige Supermarkt mittlerweile, ein Streifzug durch die Regale ist – das klingt zwar kitschig, ich schreib’s aber trotzdem – definitiv eine Reise durch die Welt.

Dann gibt’s da noch Kochkurse und auf der anderen Straßenseite einen Laden für Kosmetik, Perücken und Haarteile, okay, und seit 2011 werden unter dem Begriff „Prosi Charity“ außerdem Häuser gekauft, Schulen unterstützt und Geld an Kranke gespendet. Fallen mir jetzt nicht so viele Supermärkte ein, die so etwas machen.

Vor einem Monat gingen die Prosis dann jedenfalls den nächsten logischen Schritt und formten aus der dritten der vier Ecken an der Kreuzung Kandlgasse/Wimbergergasse das Prosi Exotic Restaurant. Und wenn man jetzt an all die exotischen Zutaten denkt, die da drüben im Supermarkt zu haben sind, und wenn man das Versprechen der Prosis liest, dass es im Restaurant hausgemachte Gerichte aus Indien, Thailand, Nigeria, den Philippinen, Nepal, Ghana, Jamaika, Kuba, Singapur, Malaysia, Venezuela, Indonesien und Ecuador geben werde, dann ist das eine ziemlich tolle Vorstellung.

Leider schaut das dann in der gekochten Realität etwas anders aus. Nämlich wie eine Kantine von eindrucksvollen Ausmaßen (mit einer kleinen Bühne am Raumende), in der man aus einer auch nicht gerade klein angelegten Vitrine auswählt – und zwar nur indische Küche. Beziehungsweise: nur indische Vitrinenküche, frisch gekocht oder zubereitet wird hier eher kaum, die Mikrowelle macht warm, was schon seit Stunden vor sich hin trocknet. Pakora, zum Beispiel, eigentlich großartiges, frittiertes Streetfood, ist in Wien selten so fad zu bekommen, schade (€ 2,90).

Auch die Tandoori-Hühnerkeule erstaunte durch völlige Trockenheit, dieses rot gefärbte Hühnerbein war schlichtweg Pappendeckel (€ 4,50). Die oben genannten Küchen gäbe es nämlich nur ab und zu, erfährt man, wenn jemand da sei, der das auch kochen könne.

Bemerkenswert dann zumindest das Chicken Dosa, Dosa ist nämlich ein in der Pfanne gebratener Fladen aus fermentiertem Reis-Urdbohnen-Teig, und so belanglos die Hühner-Erdäpfel-Gemüse-Fülle auch war, dieser etwas klebrige und leicht säuerliche knusprig-zäh-schaumige Fladen war definitiv super (€ 8,90). Auch das kubanische Bier passte recht gut dazu, und vielleicht wächst in Zukunft ja noch ein bisschen die kulinarische Ambition. Weil es wäre ja schon alles da …

Resümee:

Österreichs bester Exotik-Supermarkt hat jetzt auch ein Lokal, in dem allerdings ein erstaunlich schmales Segment von Exotik gekocht wird.

Prosi Exotic Restaurant
7., Kandlg. 44
Tel. 01/522 44 44
Mo–Sa 11–22 Uhr
www.prosiexoticrestaurant.at


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