Meinesgleichen ORF: Wrabetz, die Dritte. Oder ab durch die Mitte?

Falter & Meinung | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Der ORF-Generaldirektor ist der wichtigste Medienmensch der Republik. Am 9. August wird er vom ORF-Stiftungsrat für fünf Jahre bestellt. Zur Wahl stehen im wesentlichen ein roter und ein schwarzer Kandidat, die sich aber bei den redimensionierten Großparteien und den entpolitisierten Verhältnissen im ORF-Stiftungsrat - danke noch einmal für die Entparteipolitisierung, Wolfgang Schüssel! - mit den Stiftungsräten aller anderen Parteien gutstellen müssen. Bei der Wahl 2006 siegte Wrabetz mit den Stimmen von FPÖ, BZÖ, Grünen und SPÖ. Wenige Wochen später gewann die von Alfred Gusenbauer geführte SPÖ überraschend die Nationalratswahlen. 2011 wurde Wrabetz wiedergewählt.

Man kann unter den bestehenden Verhältnissen dieses Unternehmen wohl nicht so führen, wie man es müsste; man muss zu viele Rücksichten nehmen. In Anbetracht dessen fällt Wrabetz' Bilanz einigermaßen positiv aus; die Integrität der Redaktionen wird versuchsweise von der Politik immer angetastet, scheint aber besser abgesichert denn je. Das und Wrabetz' Versuche, den ORF für der Digitalisierung anzupassen (von Flimmit bis ORF.at) stehen auf seiner Habenseite; Peinlichkeiten wie der -trotz geeigneten Leiters - aus Proporzraison seit Jahren nur interimistisch besetzte Sender Ö1 und der Verkauf des Funkhauses auf der Sollseite. Alles andere als eine neuerliche Periode Wrabetz wäre nicht nur eine Überraschung, sondern ein Auftakt zum politischen Machtwechsel in Österreich.


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