Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Auslandsreise der Welt der Woche

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Am Ende der Welt beginnt das Leben. Man paddelt mit dem Schlauchboot die Donau hinunter, passiert die slowakische Grenze und schon ist man in Devín (deutsch: Theben), einem Vorort von Bratislava. Für viele Österreicher liegt die Gegend im Niemandsland. Sie denken an den Eisernen Vorhang und sperren das Fahrrad ab, wenn sie im Auwald pinkeln gehen. Was für ein Irrtum!

In Theben geht es zu wie auf einem Festgemälde von Pieter Bruegel. Ein Gastgarten reiht sich an den nächsten, zum heimischen Bier gibt es Bryndzové halušky, Erdäpfelnocken, die mit Brimsen und Speckstücken vermischt werden. Hier sitzen Familien, die zum Schwimmen gekommen sind. Gruppen von Radfahrern machen einen Zwischenstopp, ein Rockmusiker singt Hits aus einer Zeit, als das Land noch zur Tschechoslowakei gehörte.

Man hat den Eindruck, dass die Slowaken lieber im Freien sind als die Österreicher, die sich in den Gärten ihrer Einfamilienhäuser verstecken und die Festung nur verlassen, um in die nächste Shoppingmall zu fahren. In Theben hat ein Rest jenes heiteren Sozialismus überlebt, in dem das Kollektiv in Ruder-, Wander- und Radsportvereinigungen organisiert war. Statt Hammer und Sichel dominiert nun das Logo des nahen VW-Werks. Einige stapfen zur Ruine der von den napoleonischen Truppen 1809 gesprengten Burg hinauf. Die Mauern säumen die steilen Felsen über der Donau, ein romantischer Hauch von Mittelalter.

Der Grenzfluss March mündet hier in den breiten Strom, auf seinem dunklen, erdigen Wasser gleiten Ruderboote entlang. Ein verschreckter Seeadler dreht vor dem bunten Treiben ab. Einige Bootsfahrer haben sich am Ufer niedergelassen und suchen Schutz vor der stechend heißen Mittagssonne. Ihr wollt schlafen? Dann geht doch rüber!


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